Anzeige

In Thüringen werden zu viele Magensäureblocker verschrieben

Dennoch zeichnet sich eine Trendwende ab

Bei der Verordnung von Magensäureblockern ist in Thüringen nach massiven Anstiegen über viele Jahre hinweg eine Trendwende erreicht. Auswertungen der BARMER haben ergeben, dass Ärztinnen und Ärzte im Jahr 2019 rund 337.000 Thüringerinnen und Thüringern mindestens einmal sogenannte Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) verschrieben haben. Das sind 32.000 Betroffene (neun Prozent) weniger als noch im Jahr 2016, aber immer noch 75 Prozent mehr als im Jahr 2006, als in Thüringen nur rund 210.000 Menschen Magensäureblocker verschrieben wurden. Diese sollen vor allem gegen Sodbrennen, Magenentzündungen und Magengeschwüre helfen.

Es ist ein gutes Zeichen, dass den Thüringerinnen und Thüringern nicht mehr so viele Magensäureblocker verschrieben bekommen. Die langjährige Debatte um die Sinnhaftigkeit und die Nebenwirkungen von Protonenpumpen-Inhibitoren scheint endlich Wirkung zu zeigen, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER Thüringen.

Unter dem Strich würden aber immer noch zu viele Magensäureblocker verschrieben. Die hohen Verordnungsraten sind aus Sicht der BARMER rein medizinisch oder demografisch nicht erklärbar.

Ernsthafte Nebenwirkungen und hohes Abhängigkeitsrisiko
Magensäureblocker kommen häufig bei Bauchschmerzen, Blähungen und Übelkeit zum Einsatz. In vielen Fällen werden sie auch nach Operationen und gemeinsam mit Schmerzmitteln, die die Magenschleimhaut reizen, verschrieben. Zu den Nebenwirkungen der PPI zählen ein erhöhtes Osteoporose-Risiko, Nierenerkrankungen, Magnesiummangel und eine höhere Anfälligkeit für Darminfektionen. Wenn sich der Organismus an die Magensäureblocker gewöhnt hat, kann es außerdem zur Abhängigkeit kommen. Denn das Absetzen des Medikaments kann Überproduktion von Magensäure auslösen. Die Patientinnen und Patienten bekommen wieder Magenschmerzen oder Sodbrennen und greifen erneut zu dem Medikament.

Entgegengesetzter Trend bei Kindern und Jugendlichen
Während die Verordnungen allgemein rückläufig sind, stellt die BARMER bei Kindern und Jugendlichen einen entgegengesetzten Trend fest. Demnach ist die Anzahl der Verordnungen in der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen zwischen den Jahren 2006 und 2019 bundesweit um 173 Prozent gestiegen. Damit bekamen, hochgerechnet für Deutschland, im vorvergangenen Jahr rund 42.500 Kinder und Jugendliche Magensäureblocker verordnet.

Der Grund für die hohe Zahl junger Menschen mit PPI-Verordnung könnte sein, dass sie sich häufig unter Druck fühlen, der ihnen buchstäblich auf den Magen schlägt, vermutet Birgit Dziuk.

Anzeige
Anzeige
Top