JuLis Thüringen kritisieren „Die Lehre ist so schlecht, dass alle aufhören, also lasst uns die Lehre noch schlechter machen – Ihr Bildungsministerium“

Die Lage an den Thüringer Schulen spitzt sich immer weiter zu. Es sind ohnehin zu wenig Lehrkräfte da, viele davon gehen in Rente und zu wenige kommen nach. Diejenigen, die da sind, arbeiten mit zunehmendem Alter oftmals in Teilzeit oder halten es bis dahin gar nicht erst durch. Die quereinsteigenden Lehrkräfte machen knapp ein Viertel aller neu eingestellten aus, aber jeder 10. von ihnen hört nach kurzer Zeit wieder auf.

Obwohl also nicht von der Hand zu weisen ist, dass der Lehrberuf kein einfacher ist, wurden kürzlich Stimmen aus dem Ministerium laut, die die Anforderungen für die Qualifizierung sogar senken möchten. Einerseits ist man aus allen Ecken bemüht, die Lehrerausbildung praxisorientierter und praxistauglicher zu machen und zukünftigen Lehrkräften so viel wie möglich an die Hand zu geben, denn im Lehrberuf sind die Quoten an psychischen Krankheiten, Burnout und Berufsunfähigkeit extrem hoch. Es scheinen nicht einmal diejenigen, die jahrelang studieren, optimal auf den Berufsalltag vorbereitet zu sein. Nun zeigt sich, dass sich viele Quereinsteiger/innen diesem auch nicht gewachsen fühlen, was die Überlegungen zu Ausbildungsmodellen, die die Anforderungen senken sollen, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch widerlegt.

Das ist an Absurdität nicht zu übertreffen. Wenn doch schon das Studium in seiner aktuellen Form nicht reicht und die Kurse für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger erst recht nicht, wie sollen dann niedrigere Anforderungen helfen?, fragt sich der Landesvorsitzende Christopher Hubrich.

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Die Pressesprecherin der Julis Thüringen, Vanessa Haupt, fühlt sich als Lehramtsstudentin missverstanden.

Möchte man die Lehre einfach genauso schlecht machen wie die Situation an den Schulen, damit die ausgebildeten Lehrkräfte es dann schon gewohnt und nicht mehr geschockt sind? Dann ist das der richtige Weg!, sagt die Sprecherin.

Stattdessen muss die Lehre konkret auf den Berufsalltag vorbereiten, welcher einiger Verbesserungen bedarf. Es zeigt sich deutlich, dass die Wissensvermittlung nicht das Problem ist. Das stützt die JuLis-Position gegen Regulierungen der Schulart oder des Unterrichts. Es muss möglich sein, selbst zu entscheiden, welches Schulkonzept und Unterrichtskonzept für die Lehrkraft (und in der Folge auch die Kinder) am besten passt. Es gilt weiterhin: Jede Schule kann Inklusionsschule sein, muss es aber nicht. Die JuLis sind für den Erhalt von Förderschulen und wollen sowohl diese als auch jede Schule, die Inklusion betreibt, fördern, damit sie erfolgreich gelingen kann. Wir fordern außerdem eine umfassende Digitalstrategie inkl. eines Schulpersonalplans mit Aus- und Fortbildungen.

Der Landesvorsitzende führt dazu abschließend aus:

Die Schullandschaft in Thüringen braucht keine Politik der Ideologie, sondern ein klares Bekenntnis dazu, das Beste aus jedem Einzelnen rauszuholen – das gilt für die Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrkräfte dieses Landes!