Kein Raubbau am Wald! 

Zum Internationalen Tag des Waldes am 21. März 2024 fordert der NABU Thüringen deutlich mehr Anstrengungen vor allem für geschützte Wälder

Intensive Holznutzung, Trockenheit, Borkenkäfer, Infrastrukturmaßnahmen und Klimaerwärmung setzen den Wäldern zu. Deshalb fordert der NABU Thüringen anlässlich des Internationalen Tag des Waldes am 21. März 2024 deutlich mehr Anstrengungen für die natürliche Gesunderhaltung der Wälder, insbesondere in Schutzgebieten.

Der Waldzustandsbericht 2023 für Thüringen belegt, dass nur noch 18 Prozent unserer Waldbäume gesund sind. Eigentlich müssten hier bei den Verantwortlichen die Alarmglocken schrillen. Doch selbst in Schutzgebieten im Wald wird in einigen Regionen immer noch massiv Holz eingeschlagen, sagt Dirk Hofmann, stellvertretender Vorsitzender des NABU Thüringen.

Statt auf natürliche Wiederbewaldung zu setzen, werden große Kahlflächen oft mit teuren Pflanzungen aufgeforstet:

Großflächige künstliche Aufforstungen sind aber keine geeignete Maßnahme, um klimastabile Wälder für die Zukunft zu entwickeln. Diese Maßnahmen sind sehr aufwendig und kostenintensiv. Der Erfolg bleibt oft hinter den Erwartungen zurück oder es kommt sogar zu Totalausfällen. In Schutzgebieten im Wald, wie zum Beispiel in Naturschutz- und FFH-Gebieten, sollten, wenn überhaupt, nur schonende Eingriffe vorgenommen werden. Außerdem sollte die Wiederbewaldung vorrangig durch Naturverjüngung erfolgen. Damit haben wir viel größere Chancen, den Wald für die zunehmende Erderwärmung stabil zu machen.

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Der NABU Thüringen fordert von den verantwortlichen staatlichen und politischen Akteuren ein Umdenken im Umgang mit Schutzgebieten im Wald und hat dazu im Dezember 2023 ein Forderungspapier vorgelegt. Aus Sicht des Naturschutzverbandes müssen die Interessen der Holznutzung künftig deutlich hinter den bestehenden Schutzpflichten und dem Schutzauftrag zur nachhaltigen und schonenden Entwicklung dieser Wälder zurückstehen. Besonders begehrt sind alte Baumbestände, insbesondere Eichen und Buchen. Diese Hölzer bringen auch noch Profite, wenn der Holzpreis für Nadelholz am Boden ist. Selbst ThüringenForst, als Anstalt öffentlichen Rechts, soll nach dem Willen der Landesregierung schwarze Zahlen schreiben. In der aktuellen Situation, in der Schadholz den Markt überschwemmt, ist der Einschlag von Laubhölzern daher eine lukrative Möglichkeit die Finanzen aufzubessern.

Schutzgebiete im Wald dürfen in erster Linie nicht zur Befriedigung der Holznachfrage dienen, sondern verpflichten insbesondere staatliche Akteure zum Schutz dieser Wälder. Auf landeseigenen Flächen könnte die Landesregierung Maßnahmen treffen, damit ThüringenForst der wirtschaftliche Druck genommen wird, so Dirk Hofmann.

Laut Bundesverfassungsgericht gilt für den öffentlichen Wald, dass „die Bewirtschaftung des Körperschafts- und Staatswaldes der Umwelt- und Erholungsfunktion des Waldes, nicht der Sicherung von Absatz und Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse dient.“

Erste Gespräche mit Vertretern aus Forstwirtschaft, Politik und Naturschutzverbänden zu diesem Thema fanden bereits Anfang März im Rahmen eines Runden Tisches im Thüringer Umweltministerium statt. Die Gespräche haben gezeigt, dass ein grundsätzliches Umdenken und Handeln erforderlich sind. Dirk Hofmann:

Es ist gut, sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Die Gespräche müssen nun zeitnah zum Wohle der Wälder fortgesetzt werden.

Zusatzinformationen: Schon jetzt bietet der NABU Thüringen mit seiner Aktion LuchsWald Waldbesitzer*innen an, konkret etwas für den Waldschutz zu tun. Mit der Aktion LuchsWald zeichnet der NABU Thüringen jährlich bis zu drei ausgewählte Wälder in Thüringen symbolisch aus, in denen sich Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer in besonders vorbildlicher Weise für den Waldnatur- und Lebensraumschutz sowie die Lebensraumvernetzung in ihren Wäldern einsetzen. Waldbesitzende, die sich für eine Auszeichnung ihres Waldes interessieren oder dafür bewerben möchten, können sich gern beim NABU Thüringen melden. Dass sich der Schutz der Wälder lohnt, zeigen nicht nur Luchsnachweise und sogar Luchsnachwuchs in einem bereits ausgezeichneten LuchsWald bei Nordhausen, sondern ist auch dringend notwendig zur Förderung der Anpassungsfähigkeit von Wäldern unter dem Druck der Klimaerwärmung. Mehr Informationen unter: www.NABU-Thueringen.de/luchs

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