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Lidl denkt zu kurz!

Der Frachtführer kann zukünftig bei Lidl für eine 90-minütige Abwicklung 40,00 EUR bezahlen und für eine Ablieferung außerhalb der Wareneingangszeiten 100,00 EUR. Dies ist aus Sicht des Landesverbandes Thüringen des Verkehrsgewerbes (LTV) e.V. kein nachhaltiges Geschäftsmodell. Jeder Unternehmer ist bestrebt, die Produktionszeiten seines Produktionsmittels optimal auszunutzen. Lange Warte- und Abladezeiten sind generell kontraproduktiv für einen optimalen Produktionsverlauf. Somit scheint das Angebot von Lidl, gegen ein Entgelt die Produktion zu optimieren, durchaus reizvoll zu sein. Dies gilt aber nur, wenn die Kosten dafür vom Absender getragen werden, denn bei den relativ niedrigen Frachtraten sind 100,00 EUR oder teilweise auch nur 40,00 EUR oftmals der Gewinn des Unternehmers für eine Fracht zu Lidl.

Unter unseren Mitgliedsunternehmen haben wir festgestellt, dass derzeit lieber eine Leerfahrt in Kauf genommen wird, als einen Frachtauftrag anzunehmen, der bekannterweise lange Be- oder Entladezeiten erwarten lässt. Gerade der Einzelhandel ist dafür bekannt, dass die Abwicklung in den Zentrallägern nicht optimal läuft. Somit könnte es in absehbarer Zeit bei einem Ladungsüberhang zu Belieferungsengpässen solcher Unternehmen kommen, da Unternehmen, die kürzere Be- oder Entladezeiten versprechen (ohne dafür ein Entgelt zu verlangen), eher ein Transportangebot erhalten werden.

Um noch einen Schritt weiter zu gehen: Bei der Vermittlung von Transportaufträgen durch Ladungsplattformen wird früher oder später ein Bewertungssystem für Verlader und Frachtführer eingeführt. Erhält ein Verlader ständig schlechte Bewertungen, weil die Be- oder Entladezeiten zu lange dauern, dann werden seine Frachtpreise steigen oder er bekommt keine Angebote mehr. In naher Zukunft werden das Be- und Entladen sowieso wieder beim Verlader angesiedelt sein, da das Produktionsmittel Fahrer immer teurer wird.

Gibt es in ferner Zukunft keine Fahrer mehr, weil wir beispielweise autonom fahren, dann werden die Auflieger nur noch an die Rampe geschoben. Spätestens dann muss der Verlader entweder selbst entladen (mechanisch oder manuell) bzw. dafür einen Dienstleister beauftragen. Das bedeutet, die Kosten für das Be- und Entladen werden in Zukunft wieder beim Verlader angesiedelt sein, und das ist gut so, denn so ist es auch gesetzlich vorgesehen.

Die meisten Kraftfahrer nerven die langen Be- und Entladezeiten sowie die herablassende Art vieler Lagerarbeiter bei den Verladern bzw. das Ausnutzen ihrer Machtstellung gegenüber den Kraftfahrern.

Die Unternehmer, die mittelfristig Ihre Kraftfahrer behalten bzw. neue generieren möchten, werden bei den Rahmenbedingungen neben dem Geld und der Arbeitszeit auch über die Gegebenheiten bei der potentiellen Kundschaft sprechen müssen.

Andrea T. | | Quelle:

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