Mehr Tarif-Jobs für Beschäftigte im Wartburgkreis

NGG: Zu geringe Tarifbindung von Betrieben – „Politischer Push pro Tarifvertrag“ nötig

Es gibt dickere und dünnere Lohntüten:

In der Regel ist da, wo ein Tariflohn bezahlt wird, auch mehr in der Lohntüte, sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Deshalb setzt die NGG Thüringen jetzt auch im Wartburgkreis auf deutlich mehr Tarif-Jobs. Insbesondere im Gastgewerbe gebe es viele Betriebe, in denen kein Tarifvertrag gelte, so die Gastro-Gewerkschaft NGG.

Wenn das eigene Unternehmen nicht an den Tarif der Branche gebunden ist, hat das für die Beschäftigten erhebliche Folgen. Nicht nur ihr Verdienst ist meistens deutlich niedriger als der Tariflohn. Auch die im Tarifvertrag vereinbarten Regelungen zur Arbeitszeit, zum Urlaub oder zu Kündigungsfristen gelten für die Beschäftigten nicht. Und bei Sonderzahlungen gehen sie ohnehin meistens leer aus, sagt Jens Löbel von der NGG Thüringen.

Die Arbeitsbedingungen in tariflosen Betrieben seien in der Regel deutlich schlechter.

Hier fehlen ganz einfach die für die Branche geltenden ‚Job-Leitplanken‘, für die die Gewerkschaft sorgt, so der NGG-Geschäftsführer.

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Nach einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung müssen Beschäftigte ohne Tarifvertrag pro Woche fast eine Stunde länger arbeiten als tariflich Beschäftigte. Außerdem verdienten sie durchschnittlich 11 Prozent weniger.

Mit Blick auf die Tarifbindung im Gastgewerbe verweist Jens Löbel auf neueste Zahlen des Statistischen Bundesamtes:

In Thüringen kommen nur 9 Prozent aller Beschäftigten in der Gastronomie in den Genuss eines Tarifvertrags. Im Beherbergungsgewerbe – also in Hotels oder Pensionen – arbeiten landesweit 26 Prozent der Beschäftigten in einem Betrieb mit Tarifvertrag. Vor Ort sieht die Situation nicht anders aus. Auch wenn sich hier langsam etwas bewegt: Trotzdem ist für einen Großteil der Beschäftigten in der Hotellerie und Gastronomie im Wartburgkreis der Job mit Tarifvertrag noch längst nicht die Regel.

Damit sich das ändere, müsse die Politik die Weichen für eine stärkere Tarifbindung stellen.

Jens Löbel:

Es muss dafür gesorgt werden, dass mehr Beschäftigte unter dem Schutz eines Tarifvertrags arbeiten und den fairen Tariflohn bekommen. Notwendig ist deshalb ein ‚politischer Push pro Tarifvertrag‘. Ziel muss eine 100-Prozent-Quote sein. Das heißt, dass Tarifverträge für alle Betriebe einer Branche gelten müssen und zwar ohne Ausnahme. Die schon jetzt existierende Möglichkeit, Tarifverträge – durch die sogenannte Allgemeinverbindlichkeit – für alle als verpflichtend zu erklären, muss hierzu erleichtert werden.

Löbel appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten, die politischen Weichen für eine Stärkung der Tarifbindung zu stellen. Auch im Koalitionsvertrag hätten sich die Ampel-Parteien dafür ausgesprochen.

  1. Auf den Mindestlohn sollten die Beschäftigten jedoch nicht hoffen, denn die 12,82 Euro bis 2025 sind eher ‚Mindesthohn‘, als ein auskömmliches Einkommen, so der Gewerkschafter.
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