Nachhaltige Flurbereinigung bringt Umweltschutz, Landwirtschaft und starke ländliche Räume voran

Bildquelle: Werbeagentur Frank Bode | www.werbe-bo.de

Bundesminister Cem Özdemir besucht das Stiftsgut Wilhelmglücksbrunn

Heute (28. Juli) besuchte Bundesministerminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir, das Stiftsgut Wilhelmglücksbrunn in Creuzburg. Das vor drei Jahren erfolgreich abgeschlossene Flurbereinigungsverfahren wird vom BMEL als bundesweites Vorzeigeprojekt bewertet. Minister Özdemir würdigt die Erfolge des Projekts:

Das Stiftsgut Wilhelmglücksbrunnen in Creuzburg ist ein sehr gelungenes Beispiel nachhaltiger Flurbereinigung. Es zeigt, wie Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, Naturschutz und Tourismus in Einklang gebracht werden – und zugleich Hochwasserschutz gelingt. Es zeigt auch: Wenn man es nachhaltig macht, kann Flurbereinigung zu einem wichtigen Instrument zur Entwicklung von ländlichen Räumen werden, deren Unterstützung sich lohnt. Ich setze mich deshalb für eine starke Gemeinschaftsaufgabe‚ Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes‘ ein.

Mit der Flurbereinigung ist es gelungen, Naturschutz, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Tourismus erfolgreich unter einen Hut zu bringen, ergänzt Torsten Weil, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft: Der erwünschte nachhaltige Charakter des abgeschlossenen Flurbereinigungsverfahrens in Creuzburg wirkt weiter positiv in die Region. Indem das Naturschutzgebiet Wilhelmsglückbrunn in öffentliches Eigentum überführt wurde und das sanierte Stiftsgut in neuem Glanze strahlt, hat sich Creuzburg zu einem touristischen Magneten entwickelt. Mit Café, Bio-Hotel, Hofladen, Käserei, Ökolandwirtschaft und Tagungsort, umgeben von einer beeindruckend schönen Landschaft, wird den Einheimischen und Gästen sehr viel geboten.

Der Staatssekretär bedankte sich besonders für das ehrenamtliche Engagement der Teilnehmergemeinschaft, die Träger des Flurbereinigungsverfahrens war. Der Vorstand vertrat im Verfahren die gemeinschaftlichen Interessen aller beteiligten Grundstückseigentümer:innen und war bei allen wesentlichen Verfahrensschritten unmittelbar beteiligt.

Das BMEL bewertet die Flurbereinigung Creuzburg als besonders vorzeigenswertes Erfolgsprojekt der Integrierten Ländlichen Entwicklung (ILE) und hat hierzu ein informatives Video erstellt, in dem die Beteiligten zu Wort kommen: https://www.bmel.de/SharedDocs/Videos/DE/laendliche-Regionen/creuzburg-ile.html

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Link zum Flurbereinigungsverfahren auf der Seite der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Nachhaltige Landentwicklung:
https://www.landentwicklung.de/fileadmin/sites/Landentwicklung/Dateien/Projekte_des_Monats/PDM_01.2023_Flurbereinigung.pdf
https://tlbg.thueringen.de/fileadmin/TLBG/Publikationen/WEB-Flyer_Flurbereinigung_Creuzburg.pdf

Hintergrund:
Insgesamt 1,9 Mio. Euro wurden im Flurbereinigungsverfahren investiert. Davon sind 1,7 Mio. Euro Fördermittel der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und des Freistaates Thüringen. In das Stiftsgut selbst flossen über 127.000 Euro Fördermittel der Dorferneuerung.

Das 2001 auf Antrag der oberen Naturschutzbehörde mit einer Fläche von 666 ha angeordnete Flurbereinigungsverfahren schuf die Voraussetzungen für die gemeinsame Nutzung der Region durch Landwirtschaft, Naturschutz und Tourismus und ermöglichte die Entwicklung des Naturschutzgebietes „Wilhelmsglücksbrunn“. Es gelang die Symbiose aus Landwirtschaft, Naturschutz, Wasserwirtschaft und Tourismus. Bearbeitet wurde das Verfahren, das bereits im November 2019 offiziell abgeschlossen wurde, vom heutigen Flurbereinigungsbereich Südwestthüringen des Thüringer Landesamtes für Geoinformation und Bodenmanagement (TLBG).

Auf dem Werratal-Radweg kann man nun durch das Naturschutzgebiet, vorbei an landwirtschaftlich genutzten Flächen, fahren. Die in der Flurbereinigung angelegten, zeitweise überstauten Geländemulden werden von Wasserbüffeln des ökologisch wirtschaftenden Landwirtschaftsbetriebes Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn beweidet. Durch die „Trittschäden“ der Tiere werden ständig neue Siedlungsstellen für die hier vorkommenden Salzpflanzenarten und die Lebensgrundlage für Amphibien wie Kreuzkröte oder Gelbbauchunke geschaffen.

Mit Hilfe des Flurbereinigungsverfahrens konnte das Naturschutzgebiet vollständig in öffentliches Eigentum von Freistaat Thüringen und Stadt Creuzburg überführt werden. Auch das Stiftsgut profitiert von der Neuordnung der Flurstücke, indem seine zersplitterten Flächen unmittelbar um die Hofstelle zusammengelegt wurden. Der Betrieb kann so innerhalb natürlicher Grenzen und ohne weite Wege biologisch wirtschaften. Das Landschaftsbild wird hier wesentlich durch die teilweise tief eingeschnittene Werra geprägt, die im Zuge der neugeordneten Eigentumsverhältnisse ein entsprechendes Grundstück bekam. Ausreichend breite Uferrandstreifen lassen eine Entwicklung und einen geplanten Auwald zu, ohne in Konflikt mit den Nachbarn zu geraten. Im Flurbereinigungsverfahren wurden verfügbare Flächen bereitgestellt, um naturnahe Gewässer und ihre Auen wiederherzustellen, zu sichern und zu entwickeln. Ebenso Pufferflächen, um Gewässerrandstreifen zu realisieren. Damit wurden die Landesprogramme „Gewässerschutz“ und „Hochwasserschutz“ umgesetzt und Synergien konsequent genutzt.

Die jahrelang leerstehenden und zerfallenden Gebäude des Stiftsgutes Wilhelmsglücksbrunn wurden mit viel Engagement eines gemeinnützigen Vereins und Mitteln der Dorferneuerung saniert. Sie beherbergen heute ein Café, ein Bio-Hotel, eine prämierte Käserei sowie einen Hofladen, in dem unter anderem die Produkte des biologisch wirtschaftenden Betriebes vermarktet werden. Das Stiftsgut Wilhelmsglücksbrunn im gleichnamigen Naturschutzgebiet ist ein beliebtes Ausflugsziel geworden. Die in der Flurbereinigung geplanten und gebauten ländlichen Wege erschließen das Gebiet bedarfsgerecht für die Landwirtschaft und als Radwege auch für den Tourismus. Ein im Rahmen des Flurbereinigungsverfahrens gebauter Vogelbeobachtungsstand ermöglicht zudem allen Naturliebhabern und Hobbyornithologen interessante Ausblicke, insbesondere zur Zeit der Vogelwanderungen im Frühjahr und Herbst.