Nachwuchsoffensive ambulante Versorgung: Neue Stiftungspraxen für Thüringen

Drei Stiftungspraxen eröffnen im Juli in Thüringen. Vier weitere 2024 geplant.

Am heutigen Dienstag hat in Gamstädt (Gemeinde Nesse-Apfelstädt, Landkreis Gotha) eine Stiftungspraxis eröffnet. Dies ist der Neustart nach einer pandemiebedingten Unterbrechung seit 2020. Geführt wird die Praxis von den Fachärzten Dr. med. Bastian Morgenroth und Dagmar Heuer.

Neben der Niederlassung in Gamstädt werden im Juli zwei weitere Stiftungspraxen in Lipprechterode (Landkreis Nordhausen) und Creuzburg (Wartburgkreis) die ambulante Versorgung der Patienten beginnen. Für das kommende Jahr sind vier weitere Praxen avisiert.

Bei den Stiftungspraxen handelt es sich um eine sogenannte Eigeneinrichtung der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Mit den Stiftungspraxen bieten wir Ärztinnen und Ärzten, die an einer Niederlassung interessiert sind, einen besonderen Weg: Über eine Anstellung in die eigene Praxis. Betrieben werden diese Niederlassungen von der Stiftung zur Förderung der ambulanten ärztlichen Versorgung im Freistaat Thüringen. Bislang sah das Modell vor, dass die angestellten Ärzte die Praxen nach zwei Jahren übernehmen. Ab sofort kann die Anstellung auch unbefristet fortgeführt werden.

Dazu erklärt Dr. med. Annette Rommel, erste Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen:

Ärztlichen Nachwuchs zu fördern liegt uns sehr am Herzen, um die ambulante Versorgung heute und in Zukunft zu sichern. Dabei ist es wichtig, die Bedürfnisse der jungen Generation wahrzunehmen und neue Wege zu gehen. Diese führen unter anderem in Richtung Gemeinschaftspraxis oder des Wunsches nach einer Anstellung. Mit der Stiftung können wir diesen Weg aus der Selbstverwaltung der Ärzte heraus ebnen. Wir freuen uns, mit Dr. Morgenroth und FÄ Heuer zwei engagierte junge Ärzte gefunden zu haben, die sich für diesen Pfad entschieden haben und wünschen Ihnen alles Gute.

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Jörg Mertz, Geschäftsführer SAVTH:

Diese Eröffnung stellt den Auftakt einer neuen Nachwuchsoffensive der Stiftung dar. Allein im Juli eröffnen drei Stiftungspraxen in ländlichen Regionen des Freistaats, um Patientinnen und Patienten ambulant zu versorgen. Für das nächste Jahr haben wir bereits vier weitere Niederlassungen avisiert. Unsere Praxen haben sich als Niederlassungsfahrschule etabliert, die Ärztinnen und Ärzten den Einstieg in die ambulante Versorgung vereinfacht. Seit einigen Jahren zeichnet sich ein Trend zu mehr Anstellungen in der ambulanten Versorgung ab. Den Wünschen der Mediziner möchten auch wir gerecht werden: Ab sofort bieten wir über die Stiftung auch unbefristete Anstellungen an.

Christian Jacob, Bürgermeister Gamstädt:

Als sich abzeichnete, dass der Allgemeinmediziner in unserem Ortsteil Gamstädt in den Ruhestand geht, gab es zunächst vor Schließung der Praxis mit einem Medizinischen Versorgungszentrum eine Kooperation. Wir haben uns dann schnell dazu entschieden, in Eigenregie neue, moderne Praxisräume herzurichten. Leider ist auf der Zielgeraden dann die Praxisnachfolge gescheitert und wir standen plötzlich ohne Arzt da, als der Zeitpunkt des Ruhestandes eintrat. Glücklicherweise haben wir in der Stiftung sehr schnell einen zuverlässigen Partner gefunden und freuen uns, dass Dr. Morgenroth und Frau Heuer wieder eine medizinische Versorgung in unserer Landgemeinde und unsere Nachbarorten sicherstellen.

Dr. Bastian Morgenroth und Dagmar Heuer:

Uns hat die Niederlassung in eigener Praxis gereizt. Wir konnten uns eine Übernahme eine solch großen Praxis in Eigenregie jedoch nicht vorstellen. Durch die idealen Bedingungen der Stiftung kann hier ein gut strukturierter und organisierter medizinischer Standort mit Führung durch ein junges Team entstehen. Gemeinsam mit unserem Team freuen wir uns auf die Patientinnen und Patienten.

Hintergrund
Zur Niederlassung in Gamstädt: Die Stiftungspraxis in Gamstädt öffnet ab 3. Juli 2023 ihre Pforten (Frienstedter Weg 123a, 99192 Gamstädt) für Patientinnen und Patienten.Im Jahr 2022 hatte der zuletzt in der Ortschaft praktizierende Arzt seine Praxis geschlossen, ohne dass eine eigentlich vorbereitete Nachfolge stattfand. Die Gemeinde Nesse-Apfelstädt errichtete hierfür in Teilbereichen des Bürgerhauses auf 150 Quadratmetern moderne Praxisräume, um einen Anreiz für interessierte Ärzte zu schaffen, sich hier niederzulassen. Dafür investierte die Kommune rund 500.000 Euro.

Zu den Stiftungspraxen: Die Stiftung richtet in Regionen mit drohender Unterversorgung oder mit Unterversorgung Praxen ein und stellt dort Ärztinnen und Ärzte an. Da die Ärzte in einem Angestelltenverhältnis stehen, vermeiden sie zunächst das von vielen gescheute finanzielle Risiko einer eigenen Existenzgründung und haben die Möglichkeit, Region und Patienten kennenzulernen. Die Übernahme der Praxis ist eine gewünschte Option. Die erste Stiftungspraxis wurde 2005 in Ohrdruf eröffnet. Seitdem wurden insgesamt 12 Stiftungspraxen errichtet. In zehn Fällen haben die zunächst angestellten Ärzte die Praxen später als Selbstständige übernommen. Aktuell wird für die Praxis in Helbedündorf eine Ärztin oder ein Arzt gesucht.

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