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Pflegende Angehörige in Thüringen und der Spagat zwischen Pflege und Beruf

Die Belastungen, die die Pflege von Angehörigen mit sich bringt, schlagen sich auf die Gesundheit nieder. Wie der aktuelle BARMER-Pflegereport zeigt, sind pflegende Angehörige kränker als solche, die nicht pflegen.

Ein Alarmsignal in Anbetracht der vor allem in Thüringen steigenden Zahlen von pflegebedürftigen Menschen. Pflegende Angehörige sind der größte Pflegedienst hierzulande. Sie sind unverzichtbar und es müssen dementsprechend Unterstützungsangebote geschaffen werden, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Thüringen.

Rund 115.000 Pflegebedürftige gibt es derzeit im Freistaat. Jedes Jahr kommen Tausende hinzu, so der BARMER-Pflegereport. Etwa drei Viertel der Pflegebedürftigen Thüringer werden zuhause gepflegt und sind somit oftmals auf ihre Angehörigen angewiesen. Etwa 80.000 Hauptpflegepersonen gibt es derzeit in Thüringen, so der Pflegereport. Deutschlandweit sind es demnach rund 2,5 Millionen pflegende Angehörige. Demografiebedingt werden es nicht weniger.

Pflegende Angehörige an der Belastungsgrenze

Die pflegenden Angehörigen sind ein unverzichtbarer Pfeiler des Pflegesystems. Mit ihrer Motivation aus Liebe und Pflichtbewusstsein leisten sie einen unschätzbaren Dienst an der Gesellschaft. Oftmals kommen die eigenen Bedürfnisse dabei zu kurz und die pflegenden Angehörigen werden selbst krank, so Birgit Dziuk.

Laut BARMER-Pflegereport leiden pflegende Angehörige insbesondere unter Rückenbeschwerden, psychischen Belastungsstörungen und Schlafmangel. Etwa die Hälfte von ihnen pflegen täglich zwölf Stunden oder mehr. Und das über mehrere Jahre hinweg.

Mehr als 40 Prozent der pflegenden Angehörigen sind im erwerbsfähigen Alter. Nur ein Drittel schafft es jedoch, Pflege und Beruf unter einen Hut zu bringen und geht arbeiten. Jede vierte Pflegeperson hat hingegen die Arbeit wegen der Pflege verkürzt oder ganz aufgegeben. Rund 7,5 Prozent der pflegenden Angehörigen und somit etwa 6.000 pflegende Menschen in Thüringen stehen zudem kurz davor, den Belastungen nicht mehr Stand zu halten und ihre Tätigkeit als pflegende Angehörige nicht weiter fortzuführen.

Ohne pflegende Angehörige geht es nicht. Sie müssen frühzeitig unterstützt, umfassend beraten und von überflüssiger Bürokratie entlastet werden. Unter dem Aspekt des allgemeinen Fachkräftemangels ist die Gesundheit pflegender Angehöriger auch in der Arbeitswelt ein wichtiges Thema, so BARMER-Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk.

Wie die Ergebnisse des Pflegereports deutlich machen, wünschen sich rund 40 Prozent der pflegenden Angehörigen mehr Informationen, woher sie Hilfe bekommen können und etwa die Hälfte wünscht sich bessere Aufklärung über die Leistungen.

Gesunde und motivierte Arbeitnehmer

Damit der Spagat zwischen Pflege und Beruf gelingen kann, bietet die Thüringer Agentur Für Fachkräftegewinnung (ThAFF) Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeiter zu sogenannten Betrieblichen Pflegelotsen zu qualifizieren. Mehr als 100 solcher Betrieblicher Pflegelotsen gibt es mittlerweile in Thüringen, verteilt auf derzeit 74 Unternehmen.

Die Qualifizierung eines Mitarbeiters zum Betrieblichen Pflegelotsen ist für Arbeitgeber eine gute Möglichkeit, Beschäftigte zu unterstützen, die mit Pflegeaufgaben konfrontiert sind, sagt Andreas Knuhr, Teamleiter der ThAFF.

Dass Fachkräftemangel und älter werdende Beschäftigte aus der Baby-Boomer-Generation zu einem Umdenken in der Wirtschaft führen, meint auch BARMER-Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk:

Prävention ist zwar mit Investitionen verbunden, aber die Produktivität und Bindung an das Unternehmen steigen signifikant. Nicht zuletzt sind gesunde Mitarbeiter auch motiviertere Mitarbeiter.

Die Krankenkasse engagiert sich aus diesen Gründen gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Arbeits- und Umweltmedizin (DGAUM) und dem Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie (TMASGFF), um bestehende Angebote und Träger in Thüringen besser miteinander zu vernetzen und Unternehmen einen unkomplizierten Zugang zu Informationen zu ermöglichen.

Andrea T. | | Quelle:

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