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Stabilisierung der Geschäftslage im Südthüringer Handwerk

Konjunkturumfrage 3. Quartal: Auftrags- und Umsatzlage sichtlich erholt

Das Südthüringer Handwerk ist wieder voller Zuversicht, sagt Manuela Glühmann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Südthüringen, zur Veröffentlichung des Konjunkturberichts für das dritte Quartal.

Das Vorjahr war aufgrund der Corona-Krise durch eine enorme Unsicherheit geprägt. Das zeigte sich damals beispielsweise in einer sehr zurückhaltenden Investitionstätigkeit. In diesem Jahr ist die Situation eine andere. Die Wirksamkeit der Impfstoffe auch gegen aufgekommene Virusmutationen hat die Zuversicht auf ein baldiges Ende der Pandemie beflügelt. Von Lockdown ist nicht mehr die Rede. Allerdings wird die Konjunkturerholung durch die Folgen der Corona-Beschränkungen gebremst, so Glühmann.

Allgemeines Geschäftsklima
Im Vergleich zum Frühjahr 2021 hat sich die Konjunktur im Südthüringer Handwerk im dritten Quartal merklich erholt. In den meisten Bereichen des Handwerks sorgte eine gute Auftragslage für eine deutliche Verbesserung des Geschäftsklimas. Das Vor-Corona-Niveau ist jedoch noch lange nicht erreicht. Zusätzlich zum Fachkräftemangel geraten derzeit die Handwerksunternehmen in Südthüringen durch sich verschärfende Lieferkettenprobleme, Preissteigerungen für Material, Energie und Treibstoffe unter massiven Druck. Handwerksbetriebe, die im Lockdown Einbußen hinnehmen mussten, finden oft trotz gestiegener Nachfrage nur schwer zu einer geregelten Geschäftstätigkeit zurück. Dazu kommen die Aufwendungen für Bürokratie und Verwaltung, die Corona- Auflagen, die Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die Prüfungen durch das Finanzamt, Arbeitsamt und den Zoll, die immer weiter zunehmen.

Hauptantriebskraft der Konjunktur im Südthüringer Handwerk waren wie in den zurückliegenden Quartalen die Bau- und Ausbauhandwerke. Sie konnten von der weiterhin starken Nachfrage nach Bauleistungen, vor allem im Wohnungsbau, profitieren. Die Lockerung der Corona-Einschränkungen und die damit verbundene Öffnung von Ladenlokalen und Gastronomie wirkten sich erwartungsgemäß unmittelbar positiv auf die Geschäftstätigkeit verbrauchernaher Gewerke aus. Die Stimmung in den Nahrungsmittelhandwerken hat sich erheblich gebessert. Auch die Gesundheitshandwerke verzeichneten eine deutliche Belebung. Die Geschäftslage der Zulieferer und der Dienstleistungsunternehmen ist differenzierter geworden und hat gegenüber dem Vorjahr nachgelassen. In den Autohäusern und Kfz-Werkstätten verbesserte sich die geschäftliche Situation. Dennoch rangiert die Branche auf dem letzten Platz im Ranking.

Insgesamt bewerteten 54 Prozent (Vorjahr 52 Prozent) der Südthüringer Handwerksunternehmen ihre Geschäftslage mit gut, 34 Prozent (Vorjahr 36 Prozent) mit zufriedenstellend.

Die Aussichten auf das kommende Quartal sind verhalten. Eine breite Belebung der Handwerkskonjunktur benötigt ein wirtschaftsfreundliches Umfeld. Aktuell sind jedoch zu viele Faktoren ungewiss. Eine deutliche Mehrheit der befragten Unternehmer, 87 Prozent, erwartet eine gute oder gleich bleibende Geschäftslage.

Aufträge – Betriebsauslastung – Umsätze
Der Aufschwung im Südthüringer Handwerk ist erkennbar. Das spiegelt sich in der Auftrags- und Umsatzlage wider. In den vergangenen drei Monaten hat sich diese deutlich verbessert. Über alle Gewerke hinweg verzeichneten 22 Prozent der Handwerksbetriebe (Vorjahr 15 Prozent) höhere Auftragsbestände als im vorherigen Quartal. 59 Prozent (Vorjahr 57 Prozent) meldeten unveränderte und 19 Prozent (Vorjahr 28 Prozent) gesunkene Auftragsbestände.

Dabei beurteilten 81 Prozent der befragten Handwerksunternehmen ihre Auftragslage mit normal bis überdurchschnittlich. Im Frühjahr waren dies lediglich 58 Prozent. Die Auslastung hat sich bei einem großen Teil der Unternehmen verbessert. Vor allem die Bau- und Ausbau-, aber auch Nahrungsmittelunternehmen konnten ihre Kapazitäten sehr gut ausschöpfen. Dienstleistungs- und Kfz-Betriebe waren dagegen weniger gut ausgelastet. Seit dem Frühjahr haben die Umsätze in allen Branchen zugelegt.

Jeder vierte Handwerker meldete gestiegene (Vorjahr 22 Prozent) und 57 Prozent unveränderte Umsätze. In den meisten Bereichen bewerteten die Unternehmen ihre Ergebnisse positiver als im Vorjahresquartal. In den Dienstleistungs- und Gesundheitshandwerken sind die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr jedoch weiter gesunken.

Nachfrage, Auftragslage und Umsätze werden sich den Prognosen zufolge in den verschiedenen Handwerksbereichen recht unterschiedlich entwickeln. Insgesamt erwarten 85 Prozent der befragten Handwerksbetriebe gleichbleibende oder steigende Auftragseingänge.

Beschäftigte
Die Beschäftigtenzahlen im Südthüringer Handwerk blieben über die Sommermonate hin konstant. 12 Prozent der Betriebsinhaber konnten neue Mitarbeiter gewinnen. Ein positiver Beschäftigtensaldo war vor allem in den Nahrungsmittelbetrieben zu verzeichnen. Im Dienstleistungsbereich wurden per Saldo die meisten Stellen abgebaut. Auch in den nächsten Monaten wird sich die Beschäftigtensituation nicht ändern.

Investitionen
Die Investitionsbereitschaft lag im Berichtszeitraum auf ähnlich niedrigem Niveau wie im Vorjahr. 57 Prozent der Befragten investierten im gewohnten finanziellen Rahmen. 12 Prozent haben ihre Investitionssumme erhöht, 51 Prozent investierten weniger als vor Jahresfrist. Eine mögliche Ursache ist die Inflation. Das Statistische Bundesamt ermittelte in Deutschland für September 2021 eine Inflationsrate von 4,1 Prozent. Das ist die höchste Inflationsrate seit Dezember 1993. Die Preise für Energie und Kraftstoffe stiegen um 14,3 Prozent. Im Südthüringer Handwerk haben die Ein- und Verkaufspreise auch im dritten Quartal noch einmal stark angezogen. Höhere Preise bei Wareneinkauf mussten 82 Prozent der Befragten Handwerksunternehmen zahlen. Etwa jedes zweite Unternehmen konnte jedoch höhere Verkaufspreise erzielen.

Von 1.500 befragten Handwerksunternehmen im Kammerbezirk Südthüringen beteiligten sich an der Konjunkturumfrage im dritten Quartal 2021: 434.

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