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Thüringens Klinik-Landschaft droht Krisensituation

Bildquelle: © Gina Sanders – Fotolia.com

BARMER fordert Perspektiven für jeden Standort

Knapp ein Viertel der Thüringer Krankenhäuser und damit so viele wie nie zuvor haben finanzielle Zuschüsse der Krankenkassen bekommen, um die medizinische Versorgung weiter aufrecht zu erhalten. Insgesamt 4,4 Millionen Euro an sogenannten Sicherstellungszuschlägen sind im Jahr 2021 geflossen, finanziert aus Beiträgen der Versichertengemeinschaft aller gesetzlich Krankenversicherten. Vor diesem Hintergrund warnt die BARMER Krankenkasse vor einer sich verschärfenden Krisensituation der Krankenhauslandschaft im Freistaat.

Kleine Kliniken, vor allem kommunale, geraten zunehmend unter Druck. Es mangelt an Personal und Investitionen. Für Patientinnen und Patienten bedeutet das einen Verlust an Behandlungsqualität und Sicherheit, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER in Thüringen.

Um diese Entwicklung zu stoppen und umzukehren müsse ein Umbau der Klinik-Strukturen zügig in Angriff genommen werden.

Zeitgewinn für Landesregierung
Dass der Thüringer Krankenhausplan auf das Jahr 2024 verschoben wurde, sieht die BARMER als Vorteil für die aus ihrer Sicht notwendige Neuaufstellung der Krankenhauslandschaft im Freistaat.

Die Politik in Thüringen hat zusätzlich an Zeit gewonnen, die Dinge in die Hand zu nehmen. Es darf nicht sein, dass die Versichertengemeinschaft weiter zur Kasse gebeten wird, weil die bisherigen Krankenhausstrukturen einfach fortgeschrieben werden, so BARMER-Landeschefin Birgit Dziuk.

Mut, Gestaltungswille und klare Perspektiven für jeden Standort seien gefordert. Auch brauche es mehr Anreize zur Kooperation und Spezialisierung. An Konzepten und Ideen fehle es nicht.

Wohnortnähe und Qualitätsoffensive
Eine Neuordnung der Krankenhäuser im Land bedeute vor allem auch Mut zu Veränderungen. Dabei steht aus Sicht der BARMER nicht die Anzahl der Kliniken oder deren Reduktion im Fokus, sondern die Qualität der Versorgung und die Patientensicherheit. Nur solche Krankenhäuser sollten Patientinnen und Patienten mit schweren Erkrankungen behandeln, die über die entsprechende technische und personelle Ausstattung verfügten.

Es muss auch weiterhin ausreichend Kliniken geben, die die wohnortnahe Grund- und Regelversorgung abdecken, während Maximal- und Spezialversorger komplexere Behandlungen und Eingriffe vornehmen. Forschungsorientierte Kompetenzzentren sollten die komplizierten und seltenen Erkrankungen behandeln, macht Birgit Dziuk deutlich.

Das könne nur mit einer Qualitätsoffensive gelingen, beispielsweise indem bestehende Mindestmengen bei der Anzahl bestimmter Operationen je Krankenhaus verpflichtend und ausnahmslos erfüllt werden. Erfahrung und Routine seien die entscheidenden Schlüssel für mehr Qualität und bessere Behandlungsergebnisse.

Mitwirken an der Krankenhausplanung
Auch bei den Investitionskosten sieht die BARMER Handlungsbedarf. Hierbei habe das Land Thüringen zwar aufgestockt, allerdings reichten die Mittel nicht aus und orientierten sich zu wenig am Versorgungsbedarf. Kliniken müssten aufgrund dessen ihre laufenden Betriebsmittel verstärkt zweckentfremden und Fallzahlen optimieren, was letztlich den Patientinnen und Patienten schade.

Notwendig ist eine deutliche Anhebung der Mittel zur Finanzierung von Investitionen, an der sich neben dem Land auch die Krankenkassen beteiligen können. Dafür müssen sie aber auch mehr Mitwirkungsrecht bei der Krankenhausplanung bekommen, sagt die Landesgeschäftsführerin von Thüringens zweitgrößter Krankenkasse.

Standorte nicht aufgeben, sondern weiterentwickeln
Zudem müsse die Krankenhausplanung viel stärker am Bedarf der Menschen im Land ausgerichtet werden.

Um drohende Versorgungslücken und sinnfreie Doppelstrukturen zu verhindern ist es notwendig, den stationären Bereich mit der ambulanten Medizin zu synchronisieren. Andernfalls könnten Klinik-Standorte in naher Zukunft verloren gehen, warnt Birgit Dziuk.

Ziel sollte sein, Kapazitäten nicht abzubauen, sondern sie sinnvoll zu verschieben und nutzbar zu machen. Dieses zukunftssichere Aufstellen der Versorgungslandschaft Thüringens seien Politik, Leistungserbringende und Krankenkassen den Menschen im Land schuldig.

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