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«Thüringer Rose» für ehrenamtliche Sozialarbeit

Der Thüringer Minister für Soziales, Familie und Gesundheit, Dr. Klaus Zeh (CDU), wird am Mittwoch, 19. November 2003, dem Tag der Heiligen Elisabeth, um 15 Uhr, an 12 verdiente Thüringer die Auszeichnung «Thüringer Rose» für ehrenamtliche Sozialarbeit verleihen. Erstmals in der Geschichte der Verleihung dieser Auszeichnung wird die Würdigung postum an eine Person erfolgen.

Die Auszeichnung wurde 1993 geschaffen und wird bisher zum 11. Mal verliehen. Die Vorschläge kamen von Wohlfahrtsverbänden, Landratsämtern, Bürgermeister sowie von anderen Institutionen, Organisationen und Privatpersonen.

Die «Thüringer Rose» erinnert an das «Rosenwunder» der Heiligen Elisabeth.

In diesem Jahr werden die folgenden Personen ausgezeichnet.

Dagmar und Peter Schreiber aus Gera sind seit 10 Jahren aktive Mitglieder im «Weißen Ring». Frau Schreiber war von 1993 bis 2000 Leiterin der Außenstelle Altenburg. Im Jahr 2000 übernahm das Ehepaar Schreiber die Leitung der Außenstelle in Gera. Sie betreuen dort seitdem einfühlsam Opfer von schweren Verbrechen, leisten darüber hinaus eine aktive Öffentlichkeitsarbeit und gewinnen dadurch neue Mitglieder und Helfer für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit.

Heike Knopp aus Lemnitz ist seit 1991 im Vorstand des Behindertenverbandes tätig. Sie war und ist wesentlich an der inhaltlichen Ausrichtung der Arbeit des Verbandes beteiligt. Frau Knopp ist Mutter von 3 Kindern, wovon eines behindert ist. Uneigennützig setzt sie sich für die Belange behinderter Menschen ein, bietet Hilfe bei den Alltagsproblemen. Außerdem ist sie Leiterin der Selbsthilfegruppe «Eltern mit behinderten Kindern». Aus eigener Betroffenheit heraus beschäftigt sie sich speziell mit der Integration behinderter Kinder in Schulen. Am Projekt «Barrierefreie Stadt Triptis» war sie intensiv beteiligt und auf ihre Initiative hin werden Rollstuhltrainingsseminare durchgeführt.

Pfarrer Karl-Josef Wagenführ aus Worbis ist seit mehr als 10 Jahren ehrenamtlich als Polizeipfarrer tätig und seit 2001 Landespolizeipfarrer. Er begleitet Betroffene beim Verarbeiten schlimmer Ereignisse. Hervorzuheben ist sein Einsatz bei einem Wohnungshausbrand in Worbis-Kirchohmfeld und seine Begleitung beim Amoklauf im Gutenberggymnasium in Erfurt.

Erika Krchov aus Körner arbeitet seit 1991 ehrenamtlich als BdV-Ortsvorsitzende in Körner. Sie arbeitet in der Seniorenbegegnungsstätte und leistet Gemeinde- und Kirchenarbeit. Ihr besonderes Interesse gilt der Betreuung älterer Bürger und Heimatvertriebener. Sie war maßgeblich an der Entstehung der Heimatstube beteiligt, organisiert Heimatnachmittage, Handarbeitsseminare, kleine kulturelle Veranstaltungen und Gespräche Gleichgesinnter.

Ewa-Maria Hoffmann aus Jena leistet seit dem Jahr 2000 aktive Nachbarschaftshilfe bei einem im Haus lebenden schwer erkrankten Mann. Sie führte seinen Haushalt und fährt ihn zu Arztterminen. Im Jahr 2002 verschlechterte sich der Zustand des Mannes so sehr, dass er künstlich ernährt werden muss. Aufgrund der schweren Erkrankung nahm sie ihn 2003 in ihre eigene Wohnung auf, um ihn besser betreuen zu können.

Irmengard Friedländer aus Eisenach ist seit 1990 Vorsitzende der Selbsthilfegruppe «Kampf dem Krebs e.V.». Sie ist als Richterin am Amtsgericht Eisenach tätig. Trotz ihrer hauptamtlichen Tätigkeit steht sie Betroffenen helfend zur Seite, organisiert Veranstaltungen und verschiedene Aktivitäten innerhalb der Selbsthilfegruppe. Frau Friedländer gestaltet monatliche Mitgliederversammlungen, jährliche Fachvorträge und Diskussionsrunden, führt Wandertage durch und übernimmt Gratulationen und Krankenbesuche bei Betroffenen.

Ilonka Peter aus Renthendorf ist Mutter von 5 Kindern. Sie pflegt seit 6 Jahren ihren schwer erkrankten Ehemann. Trotz eigener körperlicher Behinderungen ist sie unermütlich im Einsatz, ihrem Mann und anderen Hilfebedürftigen zu helfen. In der ihr wenig verbleibenden Zeit kümmert sie sich außerdem liebevoll um ihre Kinder und Enkelkinder.

Gisela Adebar aus Altenburg ist seit 1996 aktive Mitarbeiterin in der „Blau-Kreuz“ Selbsthilfegruppe in der Suchtberatungsstelle Altenburg. Als selbst Betroffene, die seit 1996 abstinent ist, setzt sie ihre ganze Kraft selbstlos dazu ein, anderen Betroffenen den Weg aus der Sucht zu ermöglichen.1998 absolvierte sie erfolgreich die Suchtkrankenhelferausbildung und gründete gemeinsam mit ihrem Ehemann eine weitere Selbsthilfegruppe.

Ines Semisch aus Altenburg ist alleinerziehende Mutter von 3 Kindern. Vor 6 Jahren verlor sie durch einen Autounfall ihr viertes Kind, welches damals 6 Jahre alt war. Aus dieser schmerzvollen Erfahrung heraus rief sie vor 5 Jahren die Selbsthilfegruppe «Verwaiste Eltern» ins Leben. Sie nahm an Schulungen und Weiterbildungen teil, nahm finanzielle Belastungen in Kauf und investierte viel Arbeit und Engagement. Frau Semisch organisiert Treffen, Sprechstunden, Gottesdienste für Eltern, Geschwister und Freunde verstorbener Kinder. Neben ihren ganzen ehrenamtlichen Aktivitäten absolviert sie nebenbei ein Fernstudium als psychologische Beraterin.

Helmut Gerlach aus Suhl engagiert sich seit den 90er Jahren im Bereich der Seniorenarbeit. Er hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sich in verschiedenen Städten und Landkreisen Seniorenbeiräte und -vertretungen bildeten und wurde 1993 erster Vorsitzender der Landesseniorenvertretung Thüringens. Diese Funktion füllt er bis zum heutigen Tag aus und schaffte mit seinen Fähigkeiten die Voraussetzungen dafür, dass in Thüringen Strukturen der ehrenamtlichen Seniorenarbeit entstehen konnten. Herr Gerlach unterstützt auf Landes- und Bundesebene verschiedenste Aktivitäten, Seniorentage und -messen, Tagungen und Seminare für Senioren. Außerdem vertritt er den Landesseniorenbeirat in bundespolitischen Gremien.

Elisabeth Harz aus Jena ist kurz vor der Verleihung dieser Auszeichnung im Alter von 97 Jahren verstorben. Die Auszeichnung für ihr Lebenswerk wird am 19. November 2003 stellvertretend die Tochter, Karola Kalbitz, entgegennehmen. Frau Harz half nach dem Krieg beim Aufbau der Jenaer Innenstadt als «Trümmerfrau». Sie stellte Studenten und Dozenten der FSU Jena eine Unterkunft zur Verfügung, versorgte bis zu 14 Personen täglich mit Essen. Sie war erst als Küchenhilfe und im Laufe der Zeit 10 Jahre Leiterin eines Ferienheimes auf der Insel Rügen. Frau Harz kehrte nach 15 Jahren nach Jena zurück und betreute liebevoll Nachbarkinder, Kranke und spritzte Diabetikern Insulin.

Elisabeth Schweichler aus Reinsdorf ist Gründungsmitglied der 1990 gegründeten Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V. Artern und gehört seitdem dem Vorstand an. 1992 entstand auf ihre Initiative hin die Eltern-Selbsthilfegruppe. Frau Schweichler leistet hauptsächlich Basisarbeit, welche mit hohem Zeitaufwand und Engagement verbunden ist. Sie hält Vorträge, gibt Gesundheitstipps und organisiert Schriftstellerlesungen und Reisen für betroffene Familien und betreut Kinder, die allein mitfahren. Von 1972 bis 1990 arbeitete sie als Erzieherin. Seit ihrer Berentung setzt sie ihr Engagement auf ehrenamtlicher Basis fort. Frau Schweichler ist selbst Mutter eines behinderten Jungen, der in der Lebensgemeinschaft Wickersdorf betreut wird, in der sie auch ein aktives Fördermitglied ist.

Neben den Preisträgern werden an der Verleihungsveranstaltung auch Gäste aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

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