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Unfassbar, was Menschen anderen Menschen antun können!

Zweitbundesliga-Handballer des ThSV Eisenach besuchten Gedenkstätte Buchenwald und fordern wachsam zu sein

Handball-Zweitbundesligist ThSV Eisenach sieht sich als Botschafter Thüringens. In seinen Reihen stehen Sportler aus Thüringen, dem gesamten Bundesgebiet und auch aus mehreren Nationen (Österreich, Schweiz, Slowakei, Kroatien, Portugal). Ihnen allen ein Stück Thüringer und deutscher Geschichte, allerdings eines der dunkelsten Kapitel, ganz nahe zu bringen, besuchten sie kürzlich die Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar. Neben den Spielern, Trainer, Manager und Geschäftsstellen-Mitarbeitern des Zweitbundesligisten waren auch Nachwuchsspieler des Vereins dabei, gleichzeitig Schüler am Elisabeth-Gymnasium Eisenach, Kooperationspartner des ThSV Eisenach. Anett Arnold, Oberstufenleiterin am Elisabeth-Gymnasium, begleitete als Geschichtsexpertin und hatte im Vorfeld bei der Organisation geholfen.

Im Juli 1937 lässt die SS auf dem Ettersberg bei Weimar, damals Landeshauptstadt im von schon seit Jahren durch Wahlen NSDAP beherrschten Thüringen, den Wald roden und durch Häftlinge ein neues Konzentrationslager errichten. Mit dem Lager sollen politische Gegner bekämpft, Juden, Sinti und Roma verfolgt sowie „Gemeinschaftsfremde“, unter ihnen Homosexuelle, Wohnungslose, Zeugen Jehovas und Vorbestrafte, dauerhaft aus dem deutschen „Volkskörper“ ausgeschlossen werden. Schon bald wird Buchenwald zum Synonym für das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Zwischen Juli 1937 und April 1945 waren hier 266.000 Menschen aus allen Ländern Europas in Baracken unter menschenunwürdigen Bedingungen inhaftiert und zur Zwangsarbeit verpflichtet. Die Zahl der Todesopfer wird auf etwa 56.000 geschätzt. Bei der Annäherung der 3. US-Armee am 11. April 1945 übernahmen die Häftlinge von den türmenden SS-Schergen die Leitung des Lagers, nahmen 125 Bewacher fest, öffneten die Tore und hissten die weiße Fahne. Nahezu 1000 Bewohner Weimars wurden durch die US-Armee zu einem Fußmarsch zum und durch das Konzentrationslager verpflichtet, um das Gräuel vor ihren Toren zu sehen.

Zur Geschichte gehört auch, nach dem Abzug der US-Truppen wurden Teile des Geländes von der sowjetischen Besatzungsmacht als Speziallager Nr. 2 genutzt. Es existierte bis 1950. Von den dort 28.000 Internierten starben 7000. Auf dem Gelände des ehemaligen Lagers wurde 1958 die kommunistisch geprägte Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eröffnet, die 1991 neu gestaltet und Dank ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiter stets vervollständigt wird. Sie enthält viele Ausstellungen zur Geschichte des Konzentrationslagers. Leider wird die Gedenkstätte von rechten Gruppierungen mit vielfacher Hetze bedacht.

Tiefe Betroffenheit
Die Handballspieler vom Fuße der Wartburg wurden in zwei Gruppen nach einem emotionalen Einführungsfilm durch das ehemalige Häftlingslager geführt und besuchten im Anschluss die Dauerausstellung der Gedenkstätte. In zwei interessanten Führungen erfuhren die Spieler viel über das Lager, ihre Insassen und wie mit diesen unter der brutalen Führung der SS umgegangen wurde.

Unfassbar, was hier Menschen anderen Menschen angetan haben, so der Tenor in den Reihen der Handballer.

Stundenlange mussten die armselig gekleideten Häftlinge auch im Winter im Freien stehen. Bei dem am Tag des Besuches herrschenden nasskalten und diesigen Wetter hatten die gut gekleideten Sportler schon Probleme. Der nackte Überlebenskampf war für die Häftlinge angesagt, von Solidarität konnte nur wenig die Rede sein. Um Kartoffelschalen zum Essen zu bekommen, wurde selbst ein Mithäftling getötet. Pfarrer versuchten Segen zu spenden, opferten sich auf. An der Mauer des KZ-Krematoriums, dass die Handballer schweigend passierten, war der kommunistische Reichstagsabgeordnete Ernst Thälmann am 18. August 1944 erschossen wurden. Auch der bekannte Sozialdemokrat Rudolf Breitscheid fand im August 1944 in Buchenwald seinen Tod. Im Lager gab es keine medizinische Betreuung durch Ärzte. Der SS-Lagerkommandant hatte für seine Kinder auf dem Gelände einen kleinen Zoo errichten lassen, empfing inmitten des Grauens Freunde zum gemütlichen Wochenende. Unfassbar für die ThSV-Handballer, selbst mehrfach Väter von Kindern. Thematisiert wurde auch, dass die Bevölkerung Weimars wegschaute. Die Stadt profitierte zunächst, weil die Leichen des KZ im städtischen Krematorium verbrannt wurden und sie dafür Geld bekam. Gewerbetreibende verkauften ihre Waren nach Buchenwald. Bruchbänder wurden gefertigt, damit Häftlinge die körperlich schwere Arbeit fortführen konnten. Den Schriftverkehr hierzu konnten die Sportler in Originaldokumenten lesen. Für die ohnehin kärglichen Lebensmittelrationen lieferte eine Bäcker Brot, dass zur Hälfte mit Sägemehl hergestellt wurde.

Gedenken mit Zitaten ehemaliger Häftlinge an der „Gedenkplatte“
Im Konzentrationslager Buchenwald, einem Arbeitslager, mussten die Menschen in den Jahren 1937 bis 1945 unbeschreibliches Leid durchleben. Gräueltaten die durch die SS und den Nazis-Staat gedeckt wurden. Unmenschlichkeiten von unaussprechlichem Ausmaß. Nur die Erinnerungen an diese grausame Zeit der Geschichte kann verhindern, dass so etwas jemals wieder passiert. So gedachte die Delegation des ThSV Eisenach im Anschluss an die Dauerausstellung an der „Gedenkplatte“ den Opfern des Konzentrationslagers. Das „Denkmal an ein Denkmal“ für alle Häftlinge des KZ Buchenwald befindet sich auf dem oberen Teil des ehemaligen Appellplatzes, wenige Meter vom Gebäude des Lagertors mit dem Arrestzellenbau entfernt. Es erinnert an das erste provisorische Erinnerungszeichen für die Opfer des Konzentrationslagers, das an diesem Ort von ehemaligen Häftlingen nach der Befreiung errichtet worden war. Das Denkmal besteht aus einer quadratischen Metallplatte, die in den Boden des Appellplatzes eingelassen wurde. Wenn man die Hand auf das Denkmal legt, spürt man, dass es erwärmt ist, erwärmt auf 37 Grad, die menschliche Körpertemperatur. Dies ist nicht nur ein Symbol für das Leben, sondern etwas was alle Menschen egal welcher Nationalität, Religion oder Hautfarbe verbindet. In die Metallplatte wurden neben der Abkürzung „K.L.B.“ (für Konzentrationslager Buchenwald) in alphabetischer Reihenfolge die Namen von 57 Nationen und Opfergruppen eingraviert. An diesem Ort zitierte die Gruppe aus Eisenach Aussagen ehemaliger Häftlinge des Konzentrationslagers und legten Blumen zum Gedenken nieder. So gedachte die Mannschaft mit Mitspielern aus unterschiedlichen Nationen, nicht nur den Opfern des Konzentrationslagers, sondern setzte gleichzeitig als Team ein Zeichen der Toleranz und des gegenseitigen Respektes.

Eines der vorgetragenen Zitate lautete:

Meine Botschaft ist, seid freundlich und tolerant gegenüber anderen Menschen. Hass auf eine Gruppe kann leicht auf die Anderen übergehen. Wir haben auf die harte Tour gelernt – es kann auch dir passieren. Wir müssen für eine Welt ohne Hass, religiöse Intoleranz und Grausamkeit arbeiten. Eine Welt, auf der Frieden herrscht.

Eine Aussage, welche sich auch der ThSV Eisenach auf die Vereinsfahne geschrieben hat. Allen aus ihrer Delegation wird dies ein eindrucksvoller Tag bleiben, der ermahnt und auffordert, sich aktiv gegen Ausgrenzung und Hass einzusetzen.

Der Satz „Wehret den Anfängen“ gewinnt leider heutzutage wieder an Bedeutung! Unfassbar, die Gedenkstätte ist wegen der Umsetzung von Pandemie-Vorgaben aggressiver Hass-Mails von Gegnern der Corona-Politik ausgesetzt. Der Leiter der Gedenkstätte wird auf eine Stufe mit dem KZ-Arzt und Massenmörder Josef Mengele gestellt. Unfassbar, auf sogenannten „Spaziergängen“ tragen Corona-Leugner und Gegner der Maßnahmen den „Judenstern“. Jeder, der da mitlaufe, müsse sich endlich hinterfragen!

Th. Levknecht

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