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Ungleichbehandlung für sie, für ihn, für alle!

Bildquelle: © M. Schuppich – stock.adobe.com
Symbolbild

Die Ursachen für Krankschreibungen sind bei Thüringer Frauen und Männern sehr verschieden. Männer sind besonders anfällig für Verletzungen und Kreislauferkrankungen und weisen hier bis zu doppelt so viele Fehltage auf wie Frauen. Dagegen entfallen bei weiblichen Beschäftigten die meisten Krankentage auf psychische Diagnosen.

Das geht aus dem aktuellen Gesundheitsreport der BARMER hervor, der Unterschiede in der Gesundheit von Frauen und Männern in den Fokus rückt.

Frauen und Männer gehen unterschiedlich mit den Signalen um, die ihnen der eigene Körper sendet. Obwohl beide Geschlechter meist sehr genau wissen, was gesund für sie ist und was nicht, handeln sie oft sehr verschieden. Das wird auch in den Krankschreibungsstatistiken deutlich, sagt Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER Thüringen.

Eine stärkere Berücksichtigung von Geschlechterunterschieden sei bei Präventionsangeboten und der Gesundheitsversorgung insgesamt unbedingt notwendig. Die medizinische Versorgung orientiere sich noch immer stark an männlichen Standardmodellen. Die Themen Gesundheit und Prävention würden hingegen oftmals bei Frauen verortet.

Beides sollte sich im Sinne einer guten Versorgung ändern, so die BARMER-Landeschefin weiter.

Männliche Verletzungsgefahr
Die Analysen im BARMER Gesundheitsreport zeigen auf, dass insbesondere bei männlichen Beschäftigten unter 30 Jahren Verletzungen für zahlreiche Fehltage verantwortlich sind. Durchschnittlich 3,4 Tage fehlten sie verletzungsbedingt im Job. Auf Thüringer Frauen unter 30 trifft dies nur an halb so vielen Tagen zu. Dieser deutliche Unterschied kann laut Report nur zum Teil dadurch erklärt werden, dass Männer eher in handwerklichen Berufen arbeiten. Wären Frauen im gleichen Berufsspektrum tätig wie Männer, lägen ihre verletzungsbedingten Fehlzeiten immer noch ein Drittel unter denen der Männer.

Wenn der Volksmund vom jugendlichen Leichtsinn spricht, dann steckt darin ein Fünkchen Wahrheit. Bei jungen Männern ist dieser offenbar stärker ausgeprägt, sagt BARMER-Landesgeschäftsführerin Birgit Dziuk.

Die Differenz der verletzungsbedingten Fehlzeiten zwischen den Geschlechtern nähme zwar mit zunehmendem Alter ab. Jedoch lägen die Krankentage aufgrund von Verletzungen auch bei männlichen Beschäftigten ab 50 Jahren noch immer deutlich höher als bei den weiblichen Beschäftigten.

Geschlechterunterschiede bei psychischen Symptomen
Dem gegenüber verzeichnet die BARMER bei Frauen deutlich mehr Fehltage aufgrund von psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Anpassungs- oder Angststörungen. Weibliche Thüringer Beschäftigte fehlen deswegen im Schnitt jährlich 5,5 Tage im Job. Bei Männern sind es lediglich drei Tage.

Es gibt Erkenntnisse darüber, dass sich die Symptome psychischer Probleme bei Frauen und Männern unterschiedlich äußern. Hierzu bedarf es an Aufklärung, so Birgit Dziuk.

In der medizinischen Ausbildung gebe es dahingehend positive Tendenzen, die noch verstärkt werden müssten. Keineswegs könne man davon ausgehen, dass die psychische Gesundheit der Frauen schlechter sei als die von Männern. Vielmehr seien Frauen eher geneigt, bei körperlichen oder seelischen Beschwerden medizinische oder psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Kreislauferkrankungen durch ungesunden Lebensstil
Bei Beschäftigten ab 50 Jahren sind vor allem Krankheiten des Kreislaufsystems wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder koronare Herzerkrankungen für lange Fehlzeiten ursächlich. Laut Analyse treten diese Erkrankungen im fortschreitenden Alter zwar bei beiden Geschlechtern gehäuft auf. Thüringer Männer ab 50 Jahren fehlen mit einer entsprechenden Diagnose jedoch im Schnitt 2,8 Tage im Jahr und damit doppelt so lange wie Frauen derselben Altersgruppe.

Viele Herz-Kreislauferkrankungen könnten vermieden werden, wenn es gelänge Männer für mehr Selbstsorge zu sensibilisieren und sie für einen gesünderen Lebensstil zu motivieren, sagt Birgit Dziuk.

Dies sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe von politischer und wirtschaftlicher Relevanz, der sich auch die BARMER selbst annehme.

Als gesetzliche Krankenkasse gehört es für uns zur Kernarbeit, die Menschen geschlechtsspezifisch und individuell anzusprechen, so Dziuk.

Im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung gebe es für Unternehmen passgenaue und zielgruppenspezifische Angebote, die die Beschäftigten bedarfsorientiert erreichen.

Krebserkrankungen früh erkennen
Dem BARMER Gesundheitsreport zufolge spielen auch Krebserkrankungen eine wesentliche Rolle bei den Arbeitsunfähigkeiten. Diese nehmen im mittleren und höheren Erwerbsalter stark zu. So lagen die Fehltage wegen Neubildungen bei Frauen ab 50 Jahren (2,5 Tage im Jahr) mehr als zehnmal höher als in der Altersklasse bis 30 Jahre. Hierbei spielt vor allem die Diagnose Brustkrebs eine wesentliche Rolle.

Zwar sind zum überwiegenden Teil Frauen von Brustkrebs betroffen, jedoch können auch Männer daran erkranken, sagt Birgit Dziuk.

Medizinische Versorgung müsse auch spezifische Krankheitsbilder und deren geschlechtsspezifische Symptome in den Fokus rücken.  Geschlechtsübergreifend sei die Teilnahme an ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen zudem immens von Bedeutung. Das Bewusstsein dafür müsse insbesondere bei Männern noch gestärkt werden.

Achtsam mit sich umzugehen und auf die eigene Gesundheit zu achten, ist ein Zeichen von Selbstbewusstsein, Kompetenz und Stärke, stellt Birgit Dziuk fest.

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