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Vier Frauen verloren ihre Männer, 13 Kinder ihre Väter

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Das Ehrenmal in der Frankfurter Straße in Eisenach.

Sie sind nicht vergessen!
Stilles Gedenken am Ehrenmal der März-Gefallenen in Eisenach

Auch in diesem Jahr gedachten Vertreter der SPD, der Partei Die Linke, vom DGB, der Stadtregierung und Bürger am Ehrenmal in der Eisenacher Frankfurter Straße der am 18. März 1920 hier ermordeten jungen Arbeiter und Familienväter, 26, 29, 31, 32 und 36 Jahre jung. Vier Frauen verloren ihre Männer, 13 Kinder ihre Väter! Anders als in den Vorjahren war es aufgrund der Hygienevorschriften zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nur ein stilles Gedenken. Mit Blumengebinden wurde der Opfer von vor 101 Jahren gedacht. Die Opfer waren Zivilisten. Unbewaffnete Bewohner der Eisenacher Weststadt. Wohnhaft am Wolfgang und in der Frankfurter Straße. Selbst böswillige Untersuchungen konnten den toten Eisenachern keine politischen Zugehörigkeiten nachweisen!

Was war geschehen an jenen Tagen?
Kaiserliches Militär, Monarchisten, Nationalisten und die Vertreter des deutschen Großkapitals, also die Eltern des Kaiserreiches, das Europa in den Abgrund des ersten Weltkrieges gestürzt hatte, wollten die junge deutsche Republik nach wenigen Monaten wieder mit Gewalt beseitigen. Das Volk und nicht die Arbeiterschaft rief den Generalstreik aus. Rief auf zum zivilen Ungehorsam gegen die Brutalität von Kriegswaffen und für den Erhalt der Republik und der ersten deutschen Demokratie.

So stellte sich zu Anfang der Frankfurter Straße, an dieser Kreuzung zur Katharinenstraße, eine unbewaffnete Volksmenge der bewaffneten Eskorte aus Polizei und Militär in den Weg. Mit Handgranaten und Gewehrschüssen bahnte sich dieser Trupp den Weg durch die Eisenacher Bevölkerung. Man fühlte sich bedroht vom unbewaffneten Volk! Man tat nur seine Pflicht, obwohl sie durch Eid und durch keine Regierung dazu ermächtigt waren, nur durch das selbstherrliche Monopol ihrer Waffengewalt. Dass diese Täter für ihre Morde nie vor Gericht standen, wirft ein Bild auf den labilen politischen Zustand dieser ersten deutschen Republik.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Bürgermeister Dr. Uwe Möller gedachte im Namen der Rathausspitze der ermordeten Arbeiter.

Einzelschicksale, die berühren
Der erste Name auf der Gedenktafel ist August Gustav Schmidt, geboren am 24.12. 1893 in Eisenach, wohnhaft am Wolfgang 16, von Beruf Eisenfräser, verheiratet mit Frieda, geborene Ziepf, zwei Kinder, Fritz und Werner Schmidt.
Es folgt Friedrich August Voigt, geboren am 21.04. 1887 in Tambach, wohnhaft am Wolfgang 79, von Beruf Wartungsschlosser, Ehemann der Ida Anna Maria, geborene Melcher, 4 Kinder, Hildegard, Liselotte, Kurt und Hans.
Heinrich Adolf Niemeyer, geboren am 08.02.1891 in Siebrock, wohnhaft Wolfgang 10, Maler von Beruf, Ehemann der Christiane, geborene Kallenbach, eine Tochter Hildegard.
Emil August Volkert, geboren am 05.08.1888 in Madelungen, wohnhaft 31, Arbeiter, Ehemann der Johanna Friederike, geborene Ißleib, 3 Kinder, Anna. Emil und Wilhelm.
Karl Emil Mengel, geboren am 15.09.1883 in Creuzburg, wohnhaft in der Frankfurter Straße 36, von Beruf Zimmermann, Ehemann der Jutta Helene, geborene Euler, 3 Kinder, Hilde, Kurt und Frieda.

Einhelliger Tenor am Ehrenmal: Uns sollten diese fünf toten Eisenacher Bürger mahnen, dass man allein mit Mitteln des Militärs und des Krieges keine innenpolitischen Probleme, keine gesellschaftlichen Probleme lösen kann. Nicht im damaligen Deutschland und auch heute nirgendwo auf der Welt.

Bildquelle: © Frank Arnold • sportfotoseisenach / ThSV Eisenach
Heidrun Sachse legte für die Eisenacher SPD ein Blumengebinde nieder.

Th. Levknecht

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