Was gegen hohen Krankenstand hilft

Gefährdungsbeurteilung als unternehmerische Pflicht

Der Krankenstand in Thüringens Unternehmen ist bundesweit mit der höchste. Im Schnitt liegt er Daten der BARMER zufolge bei 7,6 Prozent. An einem durchschnittlichen Arbeitstag im Jahr 2022 fehlten somit 76 von 1.000 Thüringer Beschäftigten krankheitsbedingt im Job. Ebenso hoch ist der Krankenstand lediglich in Mecklenburg-Vorpommern. Aus Sicht der BARMER ist in den Unternehmen im Freistaat ein besonderes Augenmerk auf die Gefährdungsbeurteilung von großer Bedeutung, um dem hohen Krankenstand entgegen zu wirken.

Die Gefährdungsbeurteilung als wichtiger Aspekt des Arbeitsschutzes ist unternehmerische Pflicht und beim betrieblichen Arbeitsschutz unverzichtbar. Sie kann präventiv wirksam sein, denn sie dient als Grundlage für ein systematisches und erfolgreiches Gesundheitsmanagement, so Birgit Dziuk, Landesgeschäftsführerin der BARMER Thüringen.

Das sei allerdings nicht allen Arbeitgebern bewusst, weshalb es bei der Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung noch Lücken zu füllen gebe.

Niedrige Umsetzungsquote

Einer Studie zufolge erfüllen in Thüringen lediglich rund 64 Prozent der Unternehmen ihre gesetzliche Pflicht zur allgemeinen Gefährdungsbeurteilung. Bei der Gefährdungsbeurteilung hinsichtlich psychischer Belastungen, die seit einem Jahrzehnt Pflicht ist, liegt die Umsetzungsquote bei nur 40 Prozent. Dabei hat die Zahl der Fehltage in Thüringen laut BARMER-Daten seit dem Jahr 2014 um 36 Prozent zugenommen, bei psychisch bedingten Krankschreibungen gar um knapp 40 Prozent.

Die Ursachen für Erkrankungen sind vielfältig und die Trends alarmierend. Angesichts des Arbeits- und Fachkräftemangels ist jeder krankheitsbedingte Ausfall einer zu viel, so Sven Nobereit, Geschäftsführer Sozial- und Arbeitsmarktpolitik beim Verband der Wirtschaft Thüringens.

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Die Arbeitswelt gehöre zu den größten Präventionssettings überhaupt und für effektive Präventionsmaßnahmen lege die Gefährdungsbeurteilung den Grundstein. Bei den Maßnahmen zur Gesundheitsförderung sei wirksame Unterstützung durch die Krankenkassen für die Unternehmen im Land unabdingbar.

Positivbeispiel aus Thüringen

Aus Sicht der BARMER müssen die Umsetzungsquoten der Gefährdungsbeurteilung gesteigert werden. Im Unternehmensnetzwerk „Gesund arbeiten in Thüringen“, welches die BARMER gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) aufgebaut hat, liegt die Quote bereits bei 100 Prozent.

Die darin zusammengeschlossenen rund 35 Thüringer Betriebe haben allesamt die Gefährdungsbeurteilung vollumfänglich umgesetzt, hält BARMER-Landeschefin Dziuk fest.

Möglich sei dies durch die Zusammenarbeit im Netzwerk verbunden mit den Unterstützungsangeboten von BARMER und DGAUM.

Potenzielle Gefährdungen für die Gesundheit der Beschäftigten zu ermitteln, zu beurteilen und geeignete Maßnahmen abzuleiten kann dazu beitragen, Fehlzeiten zu senken und die Beschäftigungsfähigkeit zu verlängern, ist Dziuk überzeugt.

Es gebe verschiedene Leitfäden, wie genau eine Gefährdungsbeurteilung erstellt werden sollte. Entscheidend sei stets, dass sie gemacht wird. Da viele Thüringer Unternehmen Kleinst-, kleine oder mittlere Betriebe sind, seien die Bedingungen, diese Prozesse umzusetzen, speziell und der Beratungsbedarf entsprechend hoch. Auch deshalb sei das Netzwerk „Gesund arbeiten in Thüringen“ geschaffen worden. Für neue Mitglieder stehe es offen.

Wenn es darum geht, den Gesundheitsschutz in den Unternehmen zu verbessern, können Arbeitgeber viel tun. Wichtig ist aber auch, dass die Beschäftigten bei diesen Bemühungen beteiligt werden und mitziehen, so Birgit Dziuk.