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Wolfsrisse in der Rhön: Landesregierung muss Sorgen der Bevölkerung im ländlichen Raum endlich ernst nehmen

Rhön/Bad Salzungen. In den letzten Wochen häufen sich in der Thüringer Rhön Fälle von gerissenen Schafen und Damtieren. Schadensfälle wie die neun getöteten Tiere aus einem Damwildgehege bei Diedorf konnten durch labortechnische Untersuchung inzwischen eindeutig als Wolfsrisse verifiziert werden. Bei den jüngsten Vorfällen in Oberalba (sechs getötete Damtiere aus einem Gehege) und in der geschlossenen Ortslage von Oechsen (ein getötetes Schaf) steht das Untersuchungsergebnis noch aus. Dazu erklärt der direkt gewählte Landtagsabgeordnete Martin Henkel (CDU):

„Sollte sich der Verdacht eines Wolfrisses in der Ortslage Oechsen bestätigen, haben wir es hier mit einer neuen Qualität der Angriffe auf Nutztiere zu tun. Mit dem mutmaßlichen Vordringen eines Wolfes in geschlossenes Siedlungsgebiet ergeben sich über die übliche Entschädigung hinaus neue Fragen: Warum dringt ein Wolf (oder Wolfshybride) in eine Ortslage vor? Ist dies als artgerechtes oder als abnormes Verhalten zu betrachten? Was kann vorbeugend unternommen werden, um solche Vorfälle zu vermeiden? Wie sollen sich die Menschen verhalten? Besteht eine Gefahr insbesondere für kleinere Kinder? 

Ich sehe zur Beantwortung dieser Fragen in erster Linie die Landesregierung und hier vor allem Umweltministerin Anja Siegesmund in der Pflicht, für Aufklärung zu sorgen und Lösungen vorzulegen. Außer Frage steht, dass durch Wolfsrisse Geschädigte schnell und unbürokratisch entschädigt werden müssen. Doch ist das nicht genug. Ich sehe grundsätzlich eine Gefahr für die schützenswerte Kulturlandschaft des Biosphärenreservats Rhön. Wenn die ohnehin arbeitsintensive Schafhaltung durch Wolfsrisse zusätzlich erschwert wird, verstehe ich sehr gut, wenn Betroffene die Schafhaltung aufgeben wollen. Doch stellt sich dann die berechtigte Frage, wer die Landschaftspflege im Land der offenen Fernen mit ausgedehnten Weide- und Wiesenflächen künftig übernehmen soll? 

Die an mich herangetragenen Sorgen und die damit verbundene zunehmende Verunsicherung teile ich. Sollte sich das getötete Schaf in Oechsen als Wolfsriss bestätigen, fordere ich deshalb die unverzügliche Tötung/Entnahme des verantwortlichen Tieres. Wolfsrisse in Ortslagen sind inakzeptabel! Der Vorfall von Oechsen könnte belegen, dass die natürliche Scheu vor dem Menschen zumindest bei dem verantwortlichen Tier gestört ist. Zumal sich das Verhalten auch nicht jahreszeitlich bedingt mit einem strengen Winter erklären lässt, der einen Wolf vor Hunger in den Siedlungsbereich des Menschen treiben könnte. Ministerin Siegesmund fordere ich auf, die Sorgen der ländlichen Bevölkerung endlich ernst zu nehmen und Antworten zu liefern. Dazu gehört auch, die Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht nun ernsthaft zu prüfen, so wie in Niedersachsen bereits geschehen. Dort können verhaltensauffällige Wölfe unter strengen Vorgaben seit kurzem getötet werden.“    

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