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Zwischenbericht Teilgebiete für Atommüll-Lagersuche weist gravierende Mängel auf

BUND fordert Bewertung durch unabhängige Experten

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung des Landesarbeitskreis Atommülllager des BUND Thüringen hat der geologische Dienst des Landes Thüringen heute gravierende Mängel im Zwischenbericht Teilgebiete der Bundesgesellschaft für Endlagersuche (BGE) aufgezeigt. Diese beträfen unter anderem die unzureichenden Datengrundlage sowie methodische Mängel bei der Ausweisung möglicher Thüringer Teilgebiete als potenzielle Atommülllager. Der BUND Thüringen fordert vor diesem Hintergrund eine Bewertung durch unabhängige Expertengremien und der Bereitstellung entsprechender Mittel.

Robert Bednarsky, Landesvorsitzender und Sprecher des Landesarbeitskreises Atommülllager des BUND Thüringen:

Es ist erschreckend, zu erfahren, wie schlampig die BGE bei der Festlegung Thüringer Teilgebiete gearbeitet hat. Es kann nicht sein, dass einer solch weitreichende Entscheidung wie der Lagerung von Atommüll für mehrere 100.000 Jahre kein fundiertes wissenschaftliches Verfahren zu Grunde liegt.

In der heute vorgestellten 148 Seiten langen Stellungnahme „Validierung des Zwischenberichts Teilgebiete“ hatte der geologische Dienst des Landes Thüringen die vier Thüringer Teilgebiete beleuchtet und die Einschätzungen der BGE neu bewertet. Das Fazit: Das Auswahlverfahren basiert sowohl auf einer unzureichenden Datengrundlage, methodischen Mängeln als auch fehlender Sorgfalt bei der Bewertung der Kriterien. So hätte die BGE beispielsweise vor allem auf gesteinsspezifische Referenzdaten und 3D-Modelle zurückgegriffen, statt auf ortsspezifische Daten. Auch die Auswahlkriterien wurden weder offengelegt noch Ausnahmen wissenschaftlich begründet.

Wir hatten bereits während des laufenden Verfahrens dessen mangelnde Transparenz und die fehlende Öffentlichkeitsbeteiligung kritisiert, so Bednarsky weiter. Die Suche nach einem dauerhaften Lager für hochradioaktive Abfälle muss auf fundierten wissenschaftlichen Entscheidungen beruhen und darf nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden. Für die Akzeptanz der Atommülllager-Suche in Deutschland ist das fatal.

Der vorgelegte Zwischenbericht bedürfe aus Sicht des Verbandes dringender Nachbesserungen. Die Regionalkonferenzen und der Bericht seien regelrecht durchgedrückt worden. Bednarsky:

Das Motto einer so wichtigen Entscheidung darf nicht ‚Eile statt Sorgfalt‘ heißen. Die schwerwiegenden Mängel am Zwischenbericht führen uns vor Augen, wie dringend wir eine unabhängige fachliche Begleitung des Prozesses zur Atommüll-Lagersuche brauchen. Dafür muss das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) jetzt die erforderlichen Mittel bereitstellen.

Hintergrund:
In seinem Landesarbeitskreis Atommülllager bündelt der BUND Thüringen Fachwissen und begleitet den Prozess zur Suche nach dem bestmöglichen, sicheren Standort für ein Atommülllager und formuliert die Positionen des Verbandes. Seine Mitglieder möchten durch ihre Arbeit mehr Transparenz in den Prozess bringen und der bisher unzureichenden Öffentlichkeitsbeteiligung entgegenwirken. Eine Anmeldung zur Teilnahme ist jederzeit möglich.

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