Einsatz für das Rebhuhn gewürdigt

Bildquelle: BUND – Prämierung der Natura-2000-Landwirt*innen 2026 (v.l.n.r. Martin Hirschmann (TBV), Tilo Kummer (Umweltminister), Martin Schmidt (Nabu Thüringen), Christian Thiele (Preisträger Biohof Thiele), Annegret Thiele (Biohof Thiele), Dr. Martin Sommer (Kompetenzzentrum Natura2000 Stationen), Matthias Winzer (Preisträger), Morle Schlenz und Anna Schneider (Kompetenzzentrum Natura2000 Stationen))
Verbände aus Naturschutz und Landwirtschaft zeichnen „Natura 2000-Landwirt*innen“ aus
Erfurt, 25. September 2026. Für ihren besonderen Einsatz zum Schutz des Rebhuhns sind heute im Rahmen der Grünen Tage Thüringen zwei landwirtschaftliche Betriebe als „Natura 2000-Landwirt*innen“ ausgezeichnet worden. Der Landwirtschaftsbetrieb Matthias Winzer und der Biohof Thiele erhielten die Anerkennung für Leistungen, die über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen und zur Sicherung und Verbesserung der Lebensräume des Rebhuhns beitragen.
Die Prämierung als „Natura 2000-Landwirt*in“ wird seit 2018 gemeinsam von Naturschutz-, Landschaftspflege- und Landwirtschaftsverbänden durchgeführt – und geht auf eine Initiative des Kompetenzzentrum Natura 2000-Stationen zurück. Dazu erklärt Umweltminister Tilo Kummer: „Der Preis würdigt vorbildlichen Einsatz für Naturschutz in der Landwirtschaft. Die Landwirtinnen und Landwirte profitieren von Artenvielfalt, genauso wie von guten Böden und intakter Natur. Blühstreifen helfen nicht nur dem Rebhuhn sondern bieten auch zahlreichen anderen Arten wie Insekten, Feldhasen, Feldhamstern und Feldvögeln Nahrungs- und Lebensraum.“
In diesem Jahr steht mit dem Rebhuhn der Vogel des Jahres 2026 im Mittelpunkt. Mit der Auszeichnung möchten die Verbände auf die Gefährdung der Art aufmerksam machen und gleichzeitig zeigen, welchen wichtigen Beitrag landwirtschaftliche Betriebe zu ihrem Schutz leisten können. Sebastian König, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen: „Das Rebhuhn steht stellvertretend für viele Arten unserer Agrarlandschaft, die immer weniger geeignete Lebensräume finden. Die ausgezeichneten Betriebe zeigen, dass Landwirtschaft Teil der Lösung sein kann. Wo Blühstreifen, Brachen, Hecken und spät gemähte Wiesen wieder Raum bekommen, profitieren nicht nur Rebhühner, sondern viele weitere Tier- und Pflanzenarten. Dieses Engagement verdient Anerkennung und vor allem gute Rahmenbedingungen.“
Einst war das Rebhuhn ein weit verbreiteter Kulturfolger in der Agrarlandschaft. Heute ist sein Bestand infolge des Verlusts geeigneter Lebensräume und der Intensivierung der Landwirtschaft stark zurückgegangen. „Laut Roter Liste Thüringens gilt das Rebhuhn als stark gefährdet. Mit seinem Rückgang ist der Bodenbrüter allerdings nicht alleine. Nach Angaben des Rote-Liste-Zentrums sind inzwischen mehr als 70 Prozent der Vogelarten der halboffenen Kulturlandschaft in Deutschland bestandsgefährdet oder bereits ausgestorben“, sagt Martin Schmidt, Landesvorsitzender des NABU Thüringen. „Der Schutz des Rebhuhns entscheidet sich ganz konkret vor Ort und wir können anhand der ausgezeichneten Betriebe sehen, was möglich ist, wenn Landwirtschaft, Naturschutz und die Natura 2000-Stationen gemeinsam an Lösungen arbeiten. Genau diese Zusammenarbeit brauchen wir, wenn wir die Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft erhalten wollen.“
Die Vorschläge für die Auszeichnung kamen aus dem Netzwerk der Natura 2000-Stationen. Eine Fachjury, bestehend aus den Trägerverbänden des Kompetenzzentrums Natura 2000-Stationen – BUND Thüringen, NABU Thüringen und Deutscher Verband für Landschaftspflege – sowie dem Thüringer Bauernverband, Thüringer Ökoherz und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft bewertete die eingereichten Vorschläge. Die Ehrung fand im Rahmen der Grünen Tage Thüringen auf der Messe Erfurt statt. An der Veranstaltung nahm unter anderem Thüringens Umweltminister Tilo Kummer teil und sprach ein Grußwort.
Weitere Zitate
Deutscher Verband für Landschaftspflege (DVL):
„Die ausgezeichneten Landwirt*innen zeigen, wie Agrarnaturschutz in der Praxis gelingen kann. Damit solche Beispiele Schule machen, brauchen Landwirtinnen und Landwirte neben guter Beratung vor allem verlässliche und attraktive Förderbedingungen. Naturschutzleistungen müssen sich auch wirtschaftlich tragen“, sagt Jürgen Metzner, Geschäftsführer, Deutscher Verband für Landschaftspflege.
Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL):
„Viele landwirtschaftliche Betriebe sind bereit, mehr für den Erhalt der Artenvielfalt zu tun. Dafür müssen die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Wer Lebensräume erhält, aufwendiger wirtschaftet und damit gesellschaftlich wichtige Leistungen erbringt, muss dafür angemessen und verlässlich honoriert werden“, sagt Reiko Wöllert, Landesgeschäftsführer in Thüringen, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.Zu den ausgezeichneten Betrieben
Landwirtschaft Matthias Winzer
Der Landwirtschaftsbetrieb von Matthias Winzer in Udestedt verbindet verschiedene Maßnahmen zu einer rebhuhnfreundlichen Bewirtschaftung. Dazu gehören mehrjährige Blühflächen und Brachen, extensive Ackernutzung und eine vielfältige Fruchtfolge ebenso wie breite Blüh-, Brache- und Saumstreifen. Auch Hecken wurden in den vergangenen Jahren neu angelegt und bestehende Saumstrukturen, Hecken und Feldgehölze gepflegt. Bei Mahd und Ernte nimmt der Betrieb Rücksicht auf die Bedürfnisse des Rebhuhns. Auf den bewirtschafteten Flächen kommt die Art nachweislich vor.
Darüber hinaus reduziert beziehungsweise verzichtet der Betrieb auf den Einsatz von Herbiziden, Pestiziden und Mineraldünger und kombiniert geförderte Naturschutzmaßnahmen mit freiwilligen Leistungen. Matthias Winzer beteiligt sich außerdem an Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen und trägt damit dazu bei, Erfahrungen mit einer naturverträglichen Bewirtschaftung weiterzugeben. Die Kombination unterschiedlicher Maßnahmen schafft wichtige Rückzugs-, Nahrungs- und Bruträume für das Rebhuhn und weitere Arten der Agrarlandschaft.
Biohof Familie Thiele
Der Biohof von Annegret und Christian Thiele in Ottstedt am Berge zeigt, wie ökologischer Landbau, regionale Wertschöpfung und Artenschutz zusammenwirken können. Der reine Marktfruchtbetrieb setzt auf eine außergewöhnlich breite Fruchtfolge mit Winter- und Sommergetreide, Weizen, Hafer, Dinkel, Erbsen, Sonnenblumen sowie Kartoffeln und Zwiebeln. Rund 20 Prozent der Anbaufläche entfallen auf Luzerne. Die mehrjährigen Bestände verbessern nicht nur Bodenstruktur und Humusaufbau, sondern bieten während der Blühphase Nahrung für Insekten und über längere Zeit stabile Deckung – wichtige Voraussetzungen für das Rebhuhn.
Die vergleichsweise klein parzellierten Betriebsflächen sind zudem durch Hecken, Streuobstwiesen, Brachen und weitere Saumstrukturen gegliedert. Besonders hervorzuheben ist das eigene Engagement des Betriebs im Rebhuhnschutz: Nachdem der Landschaftspflegeverband Mittelthüringen Ende 2024 über das Projekt „Rebhuhn retten“ informiert hatte, beteiligte sich der Betrieb als einer der ersten in der Region. Auf seinen Flächen entstand die erste rebhuhnfreundlich bewirtschaftete Blühfläche des Projekts. Das dafür notwendige Saatgut stellte der Landschaftspflegeverband zur Verfügung; die Maßnahme selbst setzte der Betrieb ohne Vergütung um.
Auch über die eigenen Flächen hinaus engagiert sich der Biohof für den Naturschutz und beteiligt sich als Praxispartner an Feldtagen, um Erfahrungen und Wissen weiterzugeben. Die regionale Direktvermarktung ab Hof und über die Biokiste des Biobetriebes Scharf in Ollendorf ergänzt das Betriebskonzept.