Herdenschutz statt Wolfsjagd – bereits über 88.700 Stimmen gegen eine Novelle des Bundesjagdgesetzes

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NABU-Thüringen: geplante reguläre Wolfsjagd führt in die falsche Richtung
Jena – Aktuell machen bereits fast 90.000 Bürgerinnen und Bürger aus ganz Deutschland in einer Online-Petition des NABU gegen die geplante Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz mobil. Sie fordern Bundesregierung und Bundestag vor der abschließenden Lesung in der morgigen Sitzung (5. März) auf, die Novelle des Bundesjagdgesetzes zu stoppen und stattdessen wirksamen Herdenschutz konsequent auszubauen und vollständig zu finanzieren. An dem Aufruf zur Petition hat sich auch der NABU Thüringen beteiligt.
„Die Bundesregierung will den Wolf künftig regulär bejagen lassen – teils auch ohne konkreten Anlass. Die geplante Jagdzeit im Sommer würde vor allem die Welpen beeinträchtigen. Was als Schutz für Weidetiere verkauft wird, ist eine gefährliche Fehlentscheidung“, sagt Marcus Orlamünder, der Naturschutzreferent des NABU Thüringen. „Weniger Wölfe bedeuten nicht automatisch weniger Nutztierrisse. Werden Rudelstrukturen durch Abschüsse gestört, kann die Zahl der Risse sogar steigen.“
Herdenschutz wirkt nachweislich
Gleichzeitig zeigen aktuelle Daten, dass die Zahl der Wolfsrisse im Jahr 2024 bundesweit um rund 25 Prozent zurückgegangen ist – obwohl es mehr Wölfe gab als zuvor. Grund dafür ist ein verbesserter Herdenschutz durch Elektrozäune, Herdenschutzhunde und gute fachliche Beratung von Weidetierhaltenden. Somit lenke die Debatte über die Jagd von wirksamen Lösungen ab und wecke falsche Erwartungen. Auch Thüringen hat noch großen Nachbesserungsbedarf beim effektiven Herdenschutz. Die aktuellen Zahlen von 2025 des Thüringer Umweltministeriums zu Schadereignissen bei Nutztieren zeigen, dass in keinem der erfassten Fälle ein optimaler Herdenschutz vorlag. Doch anstatt den Herdenschutz in Thüringen weiter voranzubringen, um die Weidetierhaltenden zu unterstützen, wird vor allem von der Landesregierung und von Lobbyisten der Jagd gefordert, Wölfe in das Jagdrecht aufnehmen zu lassen.
„Wir brauchen tragfähige Lösungen statt Symbolpolitik“, so Wolfsexpertin Katharina Weinberg, die Initiatorin der Petition. „Eine pauschale Aufnahme des Wolfs ins Jagdrecht gefährdet den Artenschutz nicht nur von Wölfen, schafft neue rechtliche Unsicherheiten und hilft Weidetierhaltenden nicht weiter.“ Zudem seien gezielte Entnahmen einzelner auffälliger Tiere bereits nach bestehendem Naturschutzrecht möglich. Eine generelle Jagdfreigabe sei daher unnötig und führe in die falsche Richtung.
„Der Wolf ist Teil unserer heimischen Natur. Sein Schutz ist ein Erfolg, kein Problem – das belegt auch die große Zahl der Unterstützer*innen unserer Petition“, so Weinberg. Einer Novelle des Bundesjagdgesetzes muss der Bundesrat zustimmen. Der NABU Thüringen fordert die Landesregierung im Freistaat auf, das klare Signal aus der Bevölkerung aufzunehmen und sich im Bundesrat gegen die geplante Gesetzesnovelle zu positionieren.
Die Petition finden Sie hier: https://weact.campact.de/p/keinWolfImJagdrecht