Illegaler Wolfsabschuss in Thüringen – leider kein Einzelfall

Bildquelle: Adobe Stock, AB Photography

NABU Thüringen wird Strafanzeige stellen

Der NABU Thüringen zeigt sich bestürzt über den erneuten illegalen Abschuss eines Wolfes in Thüringen. Das tote Tier wurde vor einigen Wochen bei Großbreitenbach im Ilm-Kreis entdeckt. Die Untersuchungen zeigen, dass der Wolf erschossen wurde. Die Naturschützer fordern die Politik zum Handeln auf und werden Strafanzeige stellen.

Laut des Verbandes ist dies der dritte bekannt gewordene Fall einer illegalen Wolfstötung im Freistaat. Die Aufklärungsrate geht gegen Null. Dies ist zuerst als ein klares Versagen der Politik zu werten. Anstatt sich um den Erhalt geschützter Arten wie den Wolf zu kümmern, wird von der Politik und von Lobbyisten, die unbedingt Wölfe jagen möchten, mit unsachlichen Argumenten Angst und Hass gegen den Wolf geschürt. Die Ablehnung führt dazu, dass erneut ein Waffenträger illegal einen Wolf abgeschossen hat. Aus Sicht des NABU Thüringen versucht die Politik unter anderem, diese illegalen Handlungen auf legale Beine zu stellen, indem sie den Wolf in das Jagdrecht aufnimmt. Ob sie dabei mit den richtigen Partnern zusammenarbeitet, bleibt fraglich.

Die Landesregierung und Thüringens Umweltminister Tilo Kummer treiben die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht voran. Dabei muss klar sein: Weniger Wölfe bedeuten nicht automatisch weniger Risse. Schon ein einzelner Wolf kann Schäden anrichten, wenn er auf ungeschützte Weidetiere trifft. Und das tut der Wolf in der Regel auch, wenn die Beute einfach erreichbar ist. Die Rissstatistik des Kompetenzzentrums für Wolf, Biber und Luchs, belegte dies für die zurückliegenden Jahre eindrücklich. In fast 100 Prozent der Fälle von Rissübergriffen in Thüringen, waren insbesondere Schafe und Ziegen nicht optimal oder gar nicht geschützt. Durch die jetzt eilig geforderte und nicht zielgerichtete Bejagung können Rudelstrukturen zerstört werden. Dadurch kann sich das Verhalten der Wölfe unvorhersehbar ändern und selbst gut geschützte Herden können dann von Rissen betroffen sein. Diese Entwicklung zeigt sich deutlich am Beispiel Frankreichs. Dort haben Quoten bei der Wolfsjagd zu einem deutlichen Anstieg der Angriffe auf Weidetiere geführt. In jedem Fall bleibt wirksamer Herdenschutz unverzichtbar. Die bisherigen Fördermechanismen zum Herdenschutz im Freistaat sind vorbildlich und werden auch genutzt.

Der NABU Thüringen wird bezüglich des illegal geschossenen Wolfes Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft stellen. Wölfe haben in Deutschland einen hohen Schutzstatus, auch wenn sie in das Jagdrecht aufgenommen werden. Sie sind immer noch im gesamten Bundesgebiet über das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Fälle von Zuwiderhandlungen können mit Geldstrafen oder Freiheitsstrafen geahndet werden. Auch auf europäischer und internationaler Ebene genießt der Wolf einen besonderen Schutz, der auch Thüringen zur besonderen Fürsorge verpflichtet. Denn Wölfe sind noch selten und haben noch einiges an Ausbreitungspotenzial in Thüringen.

Aus Sicht des NABU Thüringen müssen die zuständigen Behörden unverzüglich die Ermittlungen aufnehmen. Zur besseren Bekämpfung von Umweltstraftaten fordert der Naturschutzverband schon lange die Einrichtung einer Stabsstelle zur Bekämpfung von Umweltstraftaten in Thüringen. Bis jetzt fehlt es noch an ausreichenden Kompetenzen bei der Spurensicherung und -erkundung zum Beispiel mit geeigneten Spürhunden, die zur Eingrenzung des Tatorts und damit zum Täterkreis führen können. Der NABU Thüringen sieht in diesen Herausforderungen ein deutliches Signal für den Aufbau einer koordinierenden Stabsstelle, mit ausreichend Personal, Ausbildung und Finanzierung.

Mehr zum Thema Wolf in Thüringen: www.NABU-Thueringen.de/wolf  

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