Ohne Wildblumen keine Bienen

Bildquelle: Helge May – Gemeine Sandbiene
Zum Weltbienentag am 20. Mai plädiert der NABU Thüringen für mehr Natur im Garten
Jena – Wildbienen spielen als Bestäuber für Nutz- und Wildpflanzen eine wichtige Rolle. Zudem reagieren sie empfindlich auf Veränderungen in der Natur, zum Beispiel auf den Verlust ihrer Lebensräume, Klimaveränderungen oder den Einsatz von Pestiziden und anderen Umweltgiften. Das heißt, sie haben eine wichtige Indikatorfunktion. Geht es dem Ökosystem schlecht, fehlen auch die Wildbienen. Laut Roter Liste Thüringens sind im Freistaat 416 Wildbienenarten bekannt. 43 dieser Arten gelten als ausgestorben oder verschollen und 72 Arten als „vom Aussterben bedroht”. Insgesamt sind sogar 56 Prozent aller vorkommenden Wildbienenarten in Thüringen bestandsgefährdet oder verschollen. Zum Weltbienentag am 20. Mai 2026 plädiert der NABU Thüringen deshalb mehr für den Schutz von Wildbienen zu tun. „Die Wiederherstellung von durch den Menschen zerstörter Natur und eine naturfreundlichere Landwirtschaft mit weniger Pestiziden wären zum Beispiel Maßnahmen, für die die Politik Rahmenbedingungen herstellen müsste. Doch was tut die Thüringer Landesregierung: Sie blockiert die wichtige Wiederherstellungsverordnung der Europäischen Union,“ sagt Marcus Orlamünder, der Naturschutzreferent des NABU Thüringen. „Abgesehen von der Politik kann aber auch jeder und jede einzelne im eigenen Umfeld etwas für den Schutz von Wildbienen tun.“
Heimische Pflanzen statt raspelkurzer Einheitsrasen und Thuja
Der NABU Thüringen rät zum Beispiel, Hecken mit heimischen Sträuchern wie Schwarzer Holunder, Gewöhnliche Felsenbirne und Heckenrose zu pflanzen statt Thuja und Kirschlorbeer. Spezialisierte Wildbienen fliegen nämlich nur auf die Blüten von heimischen Gehölzen und Blühpflanzen. Genauso sinnvoll sind deshalb Blumenwiesen aus heimischen Wildblumen und Gräsern, welche auch von Jahr zu Jahr artenreicher werden. Bestehender Zierrasen, der nicht gedüngt wird und auf dem Wildkräuter geduldet werden, kann sich auch mit etwas Zeit zu einem artenreicheren Kräuterrasen entwickeln. Hier fühlen sich Wildbienen viel wohler als auf raspelkurzem Einheitsrasen. Für das zusätzliche Wildstaudenbeet empfiehlt der Naturschutzreferent ein buntes Blütenmeer aus Königskerze, Schafgarbe, Storchschnabel, Natternkopf, Hornklee und Akelei. Dies sieht nicht nur schön aus, es ist auch ein Schlemmerbuffet für viele Wildbienenarten. Wenn es dann noch eine wilde Ecke gibt, wo Brennnessel, Klee und Löwenzahn wachsen dürfen, ist das Bienen-Paradies perfekt. Bei der Wahl von Stauden und anderen Blühpflanzen ist es wesentlich, dass die Blüten ungefüllt sind – nur so kommen Wildbienen und andere Insekten an Nektar und Pollen.
Totholz, Sand und Steine bringen Vielfalt in den Garten
Wildbienen lieben laut dem NABU auch Totholz. Deutschlands größte Wildbiene, die Blaue Holzbiene, braucht es beispielsweise als Lebensraum. Sinnvoll sind daher auch Totholzelemente wie Baumstümpfe, Benjeshecken oder Reisighaufen. „Wissen sollte man auch, dass zwei Drittel der Wildbienenarten wie Sand-, Furchen- und Schmalbienen offene Stellen am Boden brauchen, etwa in der Wiese, oder Sandflächen, um ihre Bruthöhlen anzulegen,“ so Marcus Orlamünder. „Wichtig ist ferner, Wildbienen müssen auch trinken. Wer keinen Teich hat, kann beispielsweise die Wilde Karde in den Garten pflanzen. Sie ist nicht nur ein Magnet für Hummeln, an ihren Blattachseln sammelt sich Regenwasser – so bietet sie natürliche Insektentränken.“
Und was ist mit den beliebten Insektenhotels? „Mit unseren Tipps ist den Wildbienen deutlich besser geholfen. Außerdem sind viele Modelle aus dem Baumarkt nicht empfehlenswert“, so der Naturschutzreferent des NABU. „Eine aus Naturschutzsicht gut gestaltete und gebaute Insektennisthilfe ist aber zusätzlich zu einer bienenfreundlichen Gartengestaltung hilfreich.“
Nähere Informationen zu Wildbienen: www.NABU-Thueringen.de/bienen