Tag des Wolfes: Jagddebatte geht an der Realität vorbei

Bildquelle: Adobe Stock, Dennis Donohue – Beispielbild
NABU: Neues Jagdgesetz ersetzt keinen konsequenten Herdenschutz und schafft neue Probleme – Faktencheck veröffentlicht
Berlin – Zum Tag des Wolfes am 30. April warnt der Naturschutzbund Deutschland (NABU) vor einer einseitigen Jagd-Debatte. Statt Lösungen zu fördern, drohe sie Erfolge der letzten 26 Jahre beim Zusammenleben von Mensch, Weidetieren und Wolf zu gefährden. Die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz werde aus NABU-Sicht keine Probleme lösen, sondern neue schaffen.
NABU-Expertin für Wölfe und Beweidung Marie Neuwald erklärt: „Die politische Debatte kreist seit Jahren fast ausschließlich um Abschüsse. Dabei verhindert die Bejagung keine gerissenen Weidetiere, das kann nur wirksamer Herdenschutz. Entscheidend ist, dass Weidetierhaltende weiter verlässlich unterstützt und beraten werden und die Politik sich hier nicht aus der Verantwortung zieht.“
Rechtliche Unsicherheiten und falsche Anreize
Die Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz ist Anfang April in Kraft getreten. Der NABU appelliert eindringlich an alle Länder, nicht in eine reguläre Bejagung einzusteigen und warnt vor einem Flickenteppich unkoordinierter Abschüsse. „Wenn Länder jetzt einfach anfangen loszujagen, droht ein schneller Rückfall in einen ungünstigen Erhaltungszustand, mit klaren Konflikten zum EU-Recht“, so Neuwald. Mindestens müssten daher unter Beteilung der Wissenschaft länderübergreifende Konzepte zur Wahrung des Erhaltungszustands vereinbart werden.
Zwar wurde der Wolfsbestand 2025 als „günstig“ gemeldet, doch die Datenbasis ist umstritten und selbst danach ist die Schwelle nur hauchdünn überschritten. Ein Puffer für Verluste durch Verkehr oder Krankheiten muss daher bei jeglichen Abschussplänen mit einberechnet werden.
Herdenschutz wirkt – Bejagung nicht
Dabei wirkt Herdenschutz nachweislich – die Risszahlen in Deutschland sinken seit Jahren, obwohl es mehr Wölfe gibt. Der Grund ist wirksamer Herdenschutz, getragen von Förderprogrammen und dem Engagement vieler Betriebe.
Neuwald betont: “Wichtig ist, dass die wie auch immer geartete Bejagung nicht als Erleichterung beim Herdenschutz verkauft wird. Wölfe lernen dadurch nicht mehr Abstand zu Weiden und können ungeschützten Tieren weiterhin gefährlich werden.” Bejagung dürfe deshalb nicht als Ersatz oder Erleichterung beim Herdenschutz verkauft werden.
Etablierte Strukturen und Wissen gehen verloren
Der NABU warnt zudem vor einem Abbau bewährter Förder- und Beratungsstrukturen. Zuständigkeitswechsel und politische Fokussierung lediglich auf die Jagd verunsicherten viele Weidetierhaltende.
Dabei verfüge Deutschland über eines der besten Wolfsmonitorings Europas sowie praxiserprobte Konzepte im Umgang mit einzelnen Problemwölfen. „Dieses Wissen darf nicht in der Illusion geopfert werden, Jagd könne das Problem lösen“, betont Neuwald.
Neuer Faktencheck zu Wolf und Herdenschutz
Zum Tag des Wolfes veröffentlicht der NABU einen Faktencheck, in dem zehn hartnäckige Vorurteile und Missverständnisse thematisiert werden. Warum müssen Herdenschutzzäune nicht gebaut sein wie im Zoo? Und kann nicht jeder Wolf über diese niedrigen Zäune springen? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt es unter: www.nabu.de/tdw2026