Thüringen: Luchse im leichten Aufwind – Wolfszahlen auf kritischem Niveau

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Laut NABU Thüringen leiden Luchse und Wölfe unter Verkehr und illegaler Verfolgung
Jena – Die aktuellen Bestandszahlen zu Luchs und Wolf in Thüringen rufen beim NABU Thüringen gemischte Gefühle hervor. Die positive Entwicklung mit einer Zunahme von Luchsen in Thüringen bewertet der Verband als sehr erfreulich. Wölfe hingegen weisen einen kritischen Erhaltungszustand auf. Der NABU sieht vor allem die Problematik, dass Luchse und Wölfe in Thüringen immer wieder dem Straßenverkehr zum Opfer fallen und illegal bejagt werden.
Nach Angaben des Kompetenzzentrums Wolf/Biber/Luchs beim Thüringer Umweltministerium streifen elf standorttreue Luchse, davon sogar drei Luchsweibchen mit Nachwuchs, durch den Freistaat (Stand Oktober 2025). Die geschätzte Gesamtzahl an Luchsen in Thüringen lag bei etwa 25 Tieren und an Wölfen höchstens bei 30 Tieren.
„Die positive Bestandsentwicklung bei den Luchsen haben wir der sehr guten Zusammenarbeit vieler Beteiligter, den Schutzbemühungen und der Auswilderung von Luchsen im Freistaat zu verdanken. Solch ein vielschichtiges Engagement wird belohnt. Jetzt gilt es, für mehr Schutz der Tiere zu sorgen. Denn neben den beiden bekannt gewordenen, illegal abgeschossenen Luchsen hat Thüringen im September 2025 noch einen überfahrenen Luchs auf den Bahngleisen bei Meiningen zu beklagen“, sagt Silvester Tamás, der Koordinator vom Luchsprojekt des NABU Thüringen.
Bei den Wölfen liegt die Gesamtzahl mit etwa 25 bis 30 Tieren in Thüringen weiterhin auf einem kritisch niedrigem Bestandsniveau. Insgesamt hat Thüringen mit den Gebieten bei Ohrdruf (Rudel), Ilfeld (Paar), Neustadt am Rennsteig (Rudel), Hainich (Rudel) und Trusetal-Seligenthal (Paar), sowie seit Dezember 2025 mit der Region bei Altenburg (Paar) gerade einmal sechs bestätigte Wolfsterritorien. Im Vergleich dazu hatte Brandenburg im Monitoringzeitraum 2023/24 insgesamt 74 bestätigte Wolfsterritorien. Zuletzt konnten in Thüringen zwei zusammen umherziehende Wölfe im Altenburger Land bestätigt werden. „Die Freude über die Rückkehr der Wölfe ins Altenburger Land wurde jedoch schon zu Jahresbeginn getrübt. Am 3. Januar 2026 wurde angrenzend zum Altenburger Land, an der ehemaligen B 95 bei Penig nahe des Ortsteils Langenleuba-Oberhain, an der Landesgrenze von Sachsen zu Thüringen, eine tote Wölfin am Straßenrand aufgefunden. Das Tier war deutlich durch Räude in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Gesamteindruck der Wölfin lässt darauf schließen, dass sie überfahren wurde“, berichtet Silvester Tamás. Seit der Rückkehr des Wolfes nach Thüringen im Jahr 2014 wurden damit insgesamt zwölf Wölfe im Straßenverkehr getötet und zwei Tiere wurden nachweislich illegal erschossen. Wie beschrieben und dokumentiert, macht illegale Jagd auch vor Luchsen nicht halt. Nachweislich hat Thüringen dadurch zwei Todesopfer unter den Pinselohren zu verzeichnen.
Aus Sicht des NABU Thüringen ist es unverständlich, warum sich die Landesregierung und insbesondere Thüringens Umweltminister Tilo Kummer sowie Ministerpräsident Mario Voigt weiterhin für eine flächendeckende Jagd auf Wölfe stark machen. Das will weder die Mehrheit der Bevölkerung, noch ist eine Jagd auf den Wolf als Herdenschutzmaßnahme geeignet. Im Gegenteil, die Probleme für Weidetierhaltende können durch die Jagd auf Wölfe unbeherrschbar werden, indem durch wahllosen Abschuss von Wölfen deren Rudelstrukturen zerstört werden. Die Tiere können dadurch in eine Notlage kommen und dann auch auf eigentlich gut geschützte Herden übergreifen.
Der NABU Thüringen sieht hinter der Forderung zur Jagd auf Wölfe unter anderem eine gezielt politisch motivierte Kampagne einer kleinen Minderheit von lobbygesteuerten Landnutzern, die auf Biegen und Brechen Wölfe jagen und schießen möchten. „Dabei müssten sich gerade Jäger und Waldbesitzer über die Rückkehr von Wölfen und Luchsen freuen, denn die Tiere können effektiv helfen, den Wildbestand zu steuern und damit den Wildverbiss bei Bäumen zu reduzieren“, so Silvester Tamás.
Die Landesregierung ist in der Pflicht, deutlich mehr für die Rückkehr der Wölfe und den Schutz der Luchse in Thüringen zu tun. Bislang wurde kein Fall einer illegalen Tötung von Wolf und Luchs im Freistaat aufgeklärt oder gar bestraft. Der NABU Thüringen fordert deshalb bereits seit einigen Jahren die Einrichtung einer Stabsstelle zur Bekämpfung von Umweltstraftaten, die dann endlich notwendige Erfolge in der Ermittlungsarbeit aber auch entsprechende Bestrafungen von Tätern vorweisen kann.
Hinsichtlich der Entschärfung von Gefahrenstellen im Verkehr hat sich mit der ersten jüngst in Thüringen in Betrieb genommenen Wildwechselwarnanlage, an der B 247 südlich von Kallmerode im Eichsfeld gezeigt, dass bei vergleichsweise überschaubaren Kosten weniger Wildunfälle passieren und damit deutlich mehr Sicherheit für wandernde Tierarten – aber auch für uns Menschen entstehen kann. Hier gilt es, zukünftig weitere Anlagen an vergleichbaren Gefahrenstellen in Thüringen einzurichten, um den Verkehr für Mensch und Tier gleichermaßen sicherer zu machen.
Mehr Infos zum Wolf in Thüringen finden Sie unter www.NABU-Thueringen.de/wolf