Vorbildliche Landwirtschaft im Dienst der Natur: Thüringer Verbände aus Landwirtschaft und Naturschutz zeichnen „Natura 2000-Landwirte 2025“ aus
Um ihre herausragenden Leistungen zum Schutz von Natura 2000-Gebieten und für die Förderung von Artenvielfalt zu würdigen, wurden heute, am 28. August, in Wiedersbach/Auengrund zwei Thüringer Betriebe mit der Auszeichnung „Natura 2000-Landwirt 2025“ geehrt. Der Schäfer Sven Schmidt und der Bio-Landwirtschaftsbetrieb Bürgel GbR erhielten die Anerkennung für ihr vorbildliches Engagement in der Bewirtschaftung von sogenannten Fauna-Flora- Habitat (FFH)-Gebieten, für ihre nachhaltigen, tier- und umweltgerechten Praktiken sowie für ihren Beitrag zur Erhaltung wertvoller Lebensräume.
Die Prämierung als „Natura 2000-Landwirt“ wird seit 2018 regelmäßig gemeinsam von den Verbänden BUND Thüringen, Deutscher Verband für Landschaftspflege, NABU Thüringen, Thüringer Bauernverband, Thüringer Ökoherz e.V. und Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft Thüringen vergeben und ehrt damit besondere Leistungen für den Schutz der Biodiversität.
Zu den Gästen der Veranstaltung zählten auch Thüringens Umweltminister Tilo Kummer, Markus Kunnen vom Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Landwirtschaft und Ländlichen Raum sowie Dirk Lindner vom Landratsamt Hildburghausen. In Ihren Grußworten machten sie auf die besondere Bedeutung von Natura 2000 für den Erhalt der Artenvielfalt aufmerksam und betonten den unschätzbaren Wert des naturschutzfachlichen Engagements der geehrten Betriebe.
„Die diesjährigen Natura 2000-Landwirte zeigen eindrucksvoll, dass Schutzgebiete kein Hindernis, sondern ein Gewinn für unsere Kulturlandschaft sind. Sie sichern nicht nur Lebensräume für bedrohte Arten, sondern auch sauberes Wasser und fruchtbare Böden – und damit unsere Zukunft. Mit der Auszeichnung wollen wir deutlich machen: Wenn wir Thüringens Natur dauerhaft erhalten wollen, müssen Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand gehen“, so die beteiligten Verbände.
Klimawandel, Artensterben und Bodenschutz sind zentrale Herausforderungen – auch für die Landwirtschaft. Mit ihren innovativen Ansätzen leisten die diesjährigen Preisträger einen wichtigen Beitrag zur verantwortungsvollen Bewirtschaftung und zu einem respektvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen. Ihr Engagement verdeutlicht: Naturschutz ist nicht nur ein theoretisches Ziel, sondern wird in der täglichen Arbeit gelebt – ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Natur- und Kulturräume und für kommende Generationen.
Zu den Preisträgern:
Schäferreibetrieb Sven Schmidt
Seit über 20 Jahren beweidet Sven Schmidt mit 180 Mutterschafen der Rassen Rhönschaf, Coburger Fuchs und Texelschaf, sowie einigen Thüringer Waldziegen wertvolle Naturflächen im Landkreis Hildburghausen. Seine Herde pflegt artenreiche Magerrasen, Feuchtwiesen und Moore, die eine Heimat für seltene Arten wie den Kreuzenzian-Ameisenbläuling, den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, die Zauneidechse, zahlreiche Orchideenarten und die Arnika sind. Viele dieser Flächen liegen im FFH-Gebiet „Elsterbachtal und Wiedersbacher Moore“.
Die Bewirtschaftung dieser oftmals schwer zugänglichen und kleinteilig verteilten Flächen erfordert einen hohen Einsatz. Sie wurden in den vergangenen Jahren über NALAP-Projekte oder Kompensationsmaßnahmen, vor allem aber durch Eigeninitiative und Eigenleistung von Sven Schmidt selbst, von Gehölzen freigestellt und gepflegt.
Neben der Landschaftspflege engagiert sich der Landwirt auch im Artenschutz – so hat er in Eigenleistung zahlreiche Nistkästen am Stall angebracht und sogar Platz für einen Storchenhorst geschaffen. Auch der ständige Einsatz von Herdenschutzhunden gehört zu seinem Alltag.
Ab 2025 übernimmt sein Sohn Erik eigene Flächen im Landkreis Hildburghausen und führt damit die Familientradition mit Merinoschafen fort– ein starkes Zeichen für gelebte Naturschutztradition über Generationen hinweg.
Bio-Landwirtschaftsbetrieb Bürgel GbR
Seit der Betriebsgründung im Jahr 1993 haben Mathias Bürgel und Sohn Georg ihren ca. 570 Hektar großen Hof in Eckstedt, Landkreis Sömmerda, mit Ackerbau, Sauenhaltung (210 Tiere) und Mastschweinen (ca. 1.000 Tiere) zu einem Vorzeigebetrieb für nachhaltige Landwirtschaft entwickelt. Seit vier Jahren wirtschaftet der Betrieb nach den Kriterien des ökologischen Landbaus und geht dabei weit über die üblichen Standards hinaus.
Aus Überzeugung und mit Blick auf den Schutz von Boden, Wasser und Artenvielfalt erproben Vater und Sohn immer wieder neue, oft herausfordernde Verfahren. Inspiriert von der regenerativen Landwirtschaft arbeiten sie komplett pfluglos, reduzieren die Bodenbearbeitung und Unkrautbekämpfung auf ein Minimum und setzen auf ganzjährige Begrünung sowie vielfältige Fruchtfolgen. Alle Kulturen werden in weiter Reihe angebaut –ein Konzept, das Feldvögeln wie Feldlerche und Rebhuhn, aber auch Arten wie dem Feldhamster, mehr Lebensraum bietet. Auch das vermehrte Auftreten von Ackerwildkräutern sehen die Beiden nicht als Problem, sondern als Bereicherung für das Ökosystem. „Beikräuter sind kein Feind, sondern ein Freund“, so ihre Überzeugung.
Im Feldhamsterschutz ist der Betrieb besonders engagiert: Auf allen Ackerflächen wird die „Stoppelbrache mit Ernteverzicht“ umgesetzt. Ein Feldhamsterbau konnte 2024 sogar auf ihren Flächen nachgewiesen werden – mit Potenzial für weitere Funde. Neben dem Ackerbau betreibt der Hof auch Schweinehaltung im Sinne einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft. Eine Besonderheit: Ein eigener Fermenter bereitet das Futter so auf, dass es für die Tiere leichter verdaulich ist und auch Pflanzen als Futtermittel genutzt werden können, die sonst nicht in Frage kämen.
Die Zukunft des Betriebs ist ebenfalls gesichert. Sohn Georg Bürgel, derzeit in der Meisterfortbildung, hat bereits die Hauptverantwortung für den Ackerbau übernommen.
Hintergrund:
Auszeichnung „Natura 2000-Landwirt*in“
Bereits seit 2018 zeichnen das Kompetenzzentrum der Natura 2000-Stationen gemeinsam mit zahlreichen Partnern herausragende landwirtschaftliche Betriebe als „Natura 2000-Landwirt*innen“ aus. Eine fachkundige Jury, bestehend aus den Trägerverbänden des Kompetenzzentrums – BUND Thüringen e.V., NABU Thüringen e.V. und Deutscher Verband für Landschaftspflege – arbeitet eng mit dem Thüringer Bauernverband e.V., Thüringer Ökoherz e.V. und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) zusammen, um Vorschläge aus dem Netzwerk der Natura 2000-Stationen zu prüfen und zu bewerten. Die Ehrung der landwirtschaftlichen Betriebe unterstreicht die gelungene Zusammenarbeit von Naturschutz und Landwirtschaft in Thüringen.
Natura 2000
Im Jahr 1992 beschloss die Europäische Union den Aufbau des Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“, um gefährdete und typische Lebensräume sowie Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Das Netzwerk setzt sich aus Gebieten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) und der Vogelschutzrichtlinie zusammen, die die rechtliche Grundlage von Natura 2000 bilden. Aktuell sind etwa 18 Prozent der Landfläche der EU als Natura 2000-Gebiete ausgewiesen. Damit ist Natura 2000 das größte grenzüberschreitende und koordinierte Schutzgebietsnetz weltweit und eine zentrale Grundlage für den Erhalt der biologischen Vielfalt in Europa.