Wolf und Luchs als Partner der Jäger

Bildquelle: Adobe Stock, AB Photography; Symbolbild

NABU Thüringen sieht Rückkehr der großen Beutegreifer als wirksame Chance, den zahlreichen Muffelherden in Ost- und Süd-Thüringen zu begegnen

Aus Sicht des NABU Thüringen haben große Beutegreifer wie Wolf und Luchs eine  Schlüsselfunktion im Ökosystem. Durch ihre direkte Einflussnahme auf die Wildbestände  wie zum Beispiel Rehe, Muffelwild und Wildschweine tragen sie dazu bei, die Bestände  „gesund“ zu halten, indem sie vorzugsweise kranke, alte und schwache Tiere erbeuten.  

Aktuell bereiten die massiv auftretenden Herden von freilebendem Muffelwild in Ost- und  Südthüringen den betroffenen Gemeinden, Bauern und Waldbesitzern Probleme.  Schäden an jungen Bäumen und Feldfrüchten nehmen stark zu. Ursprünglich stammen  Mufflons von den Mittelmeerinseln Sardinien, Korsika und Zypern und wurden im 19.  Jahrhundert in Deutschland ausgesetzt und künstlich angesiedelt.  

„Auch der NABU bekommt regelmäßig Videos von Muffelherden zugeschickt, die bis zu  300 Tiere zeigen“, sagt Silvester Tamás vom NABU Thüringen. „Mittlerweile sind das  allerdings keine Einzelfälle mehr. Wir wissen von mehreren vergleichbar großen  Muffelherden. Bauern und Waldbesitzer haben damit große Sorgen. Sie befürchten, dass  die Schäden im Wald und in der Flur noch mehr zunehmen.“ Die Anwesenheit von Wolf  und Luchs hätte deutliche Vorteile mit Blick auf die Regulierung und spürbare  Reduzierung dieser Muffelherden. „Wolf und Luchs sind aus unserer Sicht als Partner der  Jäger zu verstehen. Sie jagen flächendeckend und rund um die Uhr“, erklärt Silvester  Tamás. „Das würde Bauern und Waldbesitzer entlasten.“ Vor allem im Wald, wo nach  großen Schadereignissen jeder junge Baum zählt, verhindern Muffelherden den Aufwuchs  einer neuen Baumgeneration. Aus Sicht des NABU Thüringen ist es nicht nachvollziehbar,  warum sich die Thüringer Landesregierung aus CDU, SPD und BSW so vehement für eine  Bejagung des Wolfes und wolfsfreie Gebiete auch auf Bundesebene einsetzt. Hier ist ein  Umdenken dringend erforderlich – auch im Interesse der Waldbesitzer und Bauern.  

Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisstand befindet sich der Wolf in  Deutschland und besonders in Thüringen – hier nur mit etwa 30 Tieren – nicht, wie  fälschlicherweise oft behauptet wird, in einem günstigen, sondern in einem ungünstigen  Erhaltungszustand und braucht deshalb unseren Schutz. In der aktuellen Diskussion um  die Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht, fordert der NABU Thüringen, wieder zur  faktenbasierten Sachlichkeit zurückzukehren und den Wolf als wichtigen Teil des  Ökosystems zu verstehen und anzuerkennen.

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