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Alte Obstbäume im Naturschutzgebiet Unstruttal für Birnbaum-Prachtkäfer & Co.

Bildquelle: Wildtierland Hainich gGmbH
Blick auf die Obstbäume im Unstruttal

Projekt der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld (Trägerin: Wildtierland Hainich gGmbH) zum Erhalt des wertvollen Streuobst-Lebensraumes im Naturschutzgebiet Unstruttal erfolgreich beendet:

Weit über 500 Obstbäume sind in dem gesamten Naturschutzgebiet verteilt. Mit einem Alter von mehr als 70 Jahren sind viele der Obstbäume in ihrem „letzten Lebensabschnitt“ angekommen, einige bereits abgestorben. Um diese wertvollen Lebensräume zu erhalten, wurden etwa 300 Bäume fachgerecht geschnitten. Die bereits abgestorbenen werden als sogenannte „Habitatbäume“ stabilisiert und als Brutplätze und Nistmöglichkeiten für Fledermäuse, Vögel und als Habitat für holzbewohnende Käfer erhalten. Um den Baumbestand zu verjüngen, wurden 25 junge Apfel- und Birnbäume nachgepflanzt

Ein im Rahmen des Projektes in Auftrag gegebenes Gutachten zur Holzkäferfauna brachte erstaunliche Ergebnisse: Insgesamt konnten 111 Holzkäferarten aus 35 Käferfamilien nachgewiesen werden. 41 können als naturschutzfachlich wertgebende Arten eingestuft werden, 9 davon befinden sich auf der Roten Liste des Freistaates Thüringen (Stand 2021). 12 der nachgewiesenen Arten sind gesetzlich nach Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt.

Mehrere Besonderheiten unter den Käfern konnten nachgewiesen werden: Eine davon ist die Urwaldrelikt-Art Reitter‘s Strunksaftkäfer (Synchita separanda), die bis um die Jahrtausendwende in ganz Deutschland verschollen war, aber in den letzten Jahren mehrfach auch in Thüringen nachgewiesen werden konnte. Das Vorkommen ist ein Indiz für den traditionsreichen Gehölzbestand im Naturschutzgebiet. Außerdem wurden der totholzbewohnende Birnbaum-Prachtkäfer (Agrilus sinuatus) nachgewiesen, der in Thüringen bisher sehr selten ist. Interessant ist auch der Wiederfund eines seit 1983 in Thüringen als verschollen geltenden Rüsselkäfers (laut Roter Liste von 2021): des Schwarzen Reseda-Zahnrüsslers (Melanobaris morio), der jedoch kein holzbewohnender Käfer ist. Eine weitere Art des Unstruttals, die in Thüringen ebenfalls als verschollen oder ausgestorben galt und seit 2018 wieder entdeckt wurde ist der Natterläufer (Polistichus connexus). Auch von den beiden gefährdeten Ölkäferarten Meloe proscarabaeus und Meloe violaceus existieren im Gebiet große Populationen. Die Untersuchungen zur Käferfauna wurden durch das Büro Rosalia Umweltmanagement durchgeführt.

Umweltministerin Anja Siegesmund: „Der Verlust der Artenvielfalt in unserer Landschaft ist eine ebenso große Herausforderung wie der Klimawandel. Thüringen hat einen großen Schatz an Tier- und Pflanzenarten, den es zu erhalten und zu entwickeln gilt. Mit dem Projekt konnte nicht nur eine große Anzahl bedeutender Käferarten nachgewiesen werden, es zeigt sich auch, dass unser Förderprogramm wirksam zum Erhalt unserer wertvollen Natur- und Kulturlandschaften beiträgt. Nur was wir kennen, können wir schützen.“

„Möglich war die Umsetzung dieses Projektes mit einem Förderumfang von rund 102.000 EUR nur durch die Zusammenarbeit vieler Partner, zu denen die Untere Naturschutzbehörde des Unstrut-Hainich-Kreises, die Gemeinden Großvargula und Nägelstedt, Schäfer und private Flächeneigentümer der Region, die Vereinigte Kirchen- und Klosterkammer, die Agrar Großfahner und ObstNatur gehören.“, erläutert Sarah Ziegler, Projektmanagerin der Natura 2000-Station Unstrut-Hainich/Eichsfeld.

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