Natur auf dem Abstellgleis
Verbände fordern vom Thüringer Umweltminister die Kürzungen beim Natur- und Landschaftspflegeprogramm (NALAP) zurückzunehmen
Aufgrund von Einsparungen im Landeshaushalt 2025 und Kürzungen beim Natur- und Landschaftspflegeprogramm (NALAP) können naturschutzfachlich wertvolle Flächen in Thüringen nicht mehr gepflegt werden. Die Verbände NABU Thüringen, BUND Thüringen, GRÜNE LIGA Thüringen und Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) sehen dadurch den Erhaltungszustand vieler Flächen mit hoher Artenvielfalt gefährdet. Dank der NALAP-Förderung konnten über Jahrzehnte hinweg gefährdete Lebensräume, für die Thüringen über seine Landesgrenzen hinaus bekannt ist, bewahrt werden.
Die unteren Naturschutzbehörden im gesamten Freistaat verweisen darauf, dass keine neuen Pflegeverträge über NALAP bewilligt werden können, da die entsprechenden Mittel fehlen. Dies betrifft zum Teil Flächen, die seit langem in Pflege sind. Betroffen sind beispielsweise das Dreba Plothener Teichgebiet sowie über 45 Hektar Bergwiesen in den Landkreisen Gotha und Ilm-Kreis. Dies sind nur zwei Beispiele, die stellvertretend für das gesamte Ausmaß der Kürzungen stehen. Zudem betonen die Verbände noch einmal, dass auch Landwirtschaft auf eine intakte Natur als Grundlage angewiesen ist.
Bei den über NALAP geförderten Flächen handelt es sich oftmals um kleine, schwer zugängliche, aber naturschutzfachlich wertvolle Perlen unserer Thüringer Landschaft. Für die konventionelle landwirtschaftliche Nutzung sind sie jedoch uninteressant. Die bestehende NALAP-Förderung ist genau auf diese Flächen ausgerichtet und erfreut sich seit Jahren großer Nachfrage.
Wie bereits bei der ENL-Förderung geschehen, kommt es also erneut zu Kürzungen in der klassischen Naturschutzförderung. Erst kürzlich mussten Naturschützer und Landwirte gemeinsam vor dem Umweltministerium gegen die geplanten Kürzungen im kommenden Haushalt protestieren. Dass bereits jetzt in einem der wichtigsten Naturschutzförderprogramme Mittel gestrichen werden, ist symptomatisch für die Prioritätensetzung des Umweltministers. Der Naturschutz hat keinerlei Priorität und wird bei der Mittelverteilung systematisch benachteiligt.
Die Verbände fordern den Thüringer Umweltminister auf, die Kürzungen umgehend zurückzunehmen, um die dringend notwendige Pflege naturschutzfachlich wertvoller Flächen in Thüringen auch in diesem Jahr zu sichern. Wer den Rotstift bei der Artenvielfalt ansetzt, gefährdet nicht nur die Naturausstattung, sondern auch die Zukunft unseres Freistaats. Biodiversität und vielfältige Ökosysteme sind kein „Nice to have“, sondern sichern unsere Lebensgrundlage.