Gerecht und effizient: das Grundeinkommen

Mitbring-Feier für Denker, die Ideen für 2024

Dienstag, 19.12.2023 • 16:45 Uhr • Theaterplatz 2, 99817 Eisenach

Ilse Pforr und Dr. Johannes Hanel berichten über die Veranstaltung am 10. November 2023 mit Daniel Weißbrodt und Professor Dr. Bern­hard Neumärker im Gedankentheater, Theaterplatz 2, 99817 Eisenach

Bedingungslos wird das Grundeinkommen, wenn wir es wollen!

Wie bei vielen Gesprächen über das Grundeinkommen blieb auch am 10. November 2023 die Frage nicht aus: Wann und wie kann es eingeführt werden? Die Referenten waren sich einig, dass es dafür genügend Menschen braucht, die ein bedingungsloses Grundeinkommen (bGe) verstehen und dann darauf bestehen, dass es umgesetzt wird.

Wenn die Existenzsicherung nicht bedingungslos ist, führt sie zu einer immer undurchsichtigeren Bü­rokratie. Das zeigte Prof. Neumärker in seinem Impulsreferat über ein Krisen-Grundeinkommen. Wäh­rend der Corona-Krise gab es über 30 verschiedene zusätzliche Maßnahmen, um Menschen vor der Obdachlosigkeit, dem Hunger oder der Insolvenz zu schützen. Wären diese Maßnahmen als ein bedin­gungsloses Grundeinkommen (bGe) gebündelt worden, hätte man für das gleiche Geld jedem Einwoh­ner mindestens 650€ monatlich auszahlen können. Auch eine Bündelung der jetzt existierenden 53 Sozialleistungen würde uns Geld, Bürokratie, Frust und Unsicherheit ersparen.

Aspekte von Krisen-Grundeinkommen

Daniel Weißbrodt verlegt diese Möglichkeit eines Krisen-Grundeinkommens in die Zukunft in seinem Buch von 2018: Kurzer Abriss der deutschen Geschichte 2022-2050. Wie das bedingungslose Grundein­kommen unser Leben und unsere Gesellschaft verändert hat. Nach Finanzkrisen und Massenarbeitslo­sigkeit wird am 1. Januar 2032 in Deutschland ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt. Gleichzeitig lernte die Gesellschaft, Konflikte friedlich auszutragen und nachhaltig zu wirtschaften.

In der lebhaften Diskussion im GedankenTheater ging es weniger um diese Szenarien als um die Frage, wie man immer mehr Menschen verständlich machen kann, dass eine bedingungslose Sozialleistung weniger die Faulheit als die Kreativität fördert. Ist der Mensch seiner Natur nach behäbig oder enga­giert? Das hängt nicht zuletzt von Bildung, Erziehung und Art der Erwerbstätigkeit ab. Der real existie­rende Sozialstaat geht davon aus, dass die Menschen schlecht sind. Die Bürokratie prüft umfänglich die Bedürftigkeit und fordert die Erwerbstätigkeit, ob sie sinnvoll ist oder nicht. Das zeigt sich vor­nehmlich an den vielen ineffizienten „Maßnahmen“.

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Das ist unzeitgemäß in einer globalisierten Gesellschaft, in der Recht und Markt davon ausgehen, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist. Nur wer initiativ tätig wird, arbeitet effizient.

Das Grundeinkommen hat zwei Feinde: die Armut und der Reichtum.

Das beobachtet Prof. Neumärker, der seit vielen Jahren das Grundeinkommen erforscht und diskutiert. Ist es bedingungslos, bietet es vielen Menschen eine Exit Option, d.h. eine Alternative zum fremdbestimmten Leben. Wer erbringt schon gern Leistungen, die nicht durch den Preis wertgeschätzt werden? Genau diese unbeliebte Arbeit darf weder vom Markt noch vom Staat erzwungen werden, wenn wir eine menschenrechtsgemäße Gesellschaft wollen. Harte Arbeit kann allerdings durch Bezahlung attraktiv werden, sie kann von Maschinen erledigt werden oder wir müssen auf die von ihr erstellten Güter verzichten.

Der Zusammenbruch der Erwerbsarbeit ist ein Schreck­gespenst der Verhinderer. Gründe finden die Verhinderer. Optimisten suchen nach Lösungen; sie weisen z.B. darauf hin, dass die Wirtschaft produktiver wurde, nachdem die Sklaven befreit worden waren.

Die hier angedeuteten Fragen und Wege hin zu einer gerechteren Gesellschaft können im Gedankentheater im­mer weiter vertieft werden. Am 28. November ging es von 16:45-18 Uhr darum, wie wir fair wirtschaften können. Am Dienstag, 19. Dezember, ist eine Mitbring-Feier für Denker, die Ideen für die Rundgespräche 2024 suchen. Auch im Jahr 2024 werden wir immer am letzten Dienstag im Monat zu einem Rundgespräch einladen. Dabei kann sich jeder äußern, auch was die Themen betrifft.

Alle Gespräche stehen unter dem Motto des ersten Rundgesprächs : ein wertschätzendes Gespräch ist mehr Wert als Gold. Das ist frei nach Goethe, in dessen Märchen sich dieser Dialog findet:

„Was ist herrlicher als Gold?“ fragte der König. „Das Licht“, antwortete die Schlange.
„Und was ist erquicklicher als Licht?“ fragte jener. „Das Gespräch“, antwortete diese.

Anmeldung und weitere Informationen: www.GedankenTheater.eu

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