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Ehrenamtlicher Amphibienschutz an Straßen

Jedes Jahr im Frühling verlassen Erdkröten, Grasfrösche und Molche ihre Winterquartiere in den Wäldern und Feldgehölzen, um an Gewässern abzulaichen. Dieses Naturphänomen wird im Volksmund auch als „Krötenwanderung“ bezeichnet. Regen, Nässe und steigende Nachttemperaturen ab etwa 5° Celsius sorgen für den Aufbruch, Nachtfröste und niedrige Nachttemperaturen verzögern die Wanderungen. Im Zeitraum von Ende Februar bis Mitte April liegen zumeist ein oder mehrere Wander-Höhepunkte.

Diese bisweilen gar nicht langen Wege können allerdings für die Tiere tödlich enden, wenn sich zwischen Winterquartier und Laichgewässer eine Straße befindet. Als wechselwarme Tiere sind Amphibien in ihrer Aktivität von der Außentemperatur abhängig. Sie überqueren asphaltierte Straßen und Wege nur langsam und bleiben gern darauf sitzen, da sich die Straßendecke bei Sonne schnell erwärmt und die Temperatur lange hält. So reichen bereits wenige Fahrzeuge pro Stunde, um einen großen Teil der örtlichen Populationen zu töten. Selbst bei niedrigen Geschwindigkeiten von weniger als 50 km/h werden die Tiere durch den Sog des darüberfahrenden Fahrzeugs verletzt oder getötet, selbst wenn sie nicht von den Rädern erfasst werden.

Im Wartburgkreis werden daher schon seit Jahrzehnten an bis zu 14 verschiedenen Straßenabschnitten insgesamt bis zu 6 km Schutzzäune aufgestellt, die durch zahlreiche Privatpersonen, Naturschutzgruppen, Heimatvereine und Jäger ehrenamtlich betreut werden. Die Zäune werden von der Unteren Naturschutzbehörde zur Verfügung gestellt. Aufbau und Betreuung werden durch Landesmittel des Vertragsnaturschutzes aus dem Haushalt des Thüringer Umweltministeriums gefördert und auch durch die noch recht jungen NATURA 2000-Stationen unterstützt.

Die entlang der Zäune eingegrabenen Fangeimer müssen zweimal täglich morgens und abends über zwei bis vier Wochen kontrolliert bzw. geleert und die darin befindlichen Amphibien über die Straße zum Laichgewässer gebracht werden. Vor dem Einsetzen der Rückwanderung müssen die Zäune wieder abgebaut werden. Die Rückwanderung erfolgt unauffälliger und zeitlich gestreckter als die Hinwanderung. Dieser hohe und durch den Straßenverkehr für die Helfer bisweilen gefährliche Aufwand schützt nicht nur maßgeblich die örtlichen Amphibienbestände, sondern trägt auch zum Wissen über das Vorkommen bestimmter Arten und die Größe ihrer Populationen bei. So werden im Wartburgkreis jährlich insgesamt bis über 10.000 Amphibien aus bis zu sechs verschiedenen Arten vor dem Verkehrstod gerettet, ganz überwiegend Erdkröten sowie Teich- und Bergmolche. An mehreren einzelnen Streckenabschnitten werden jährlich allein über 2.000 Erdkröten erfasst. Die Streckenabschnitte sind in der Regel durch entsprechende Hinweisschilder für die Verkehrsteilnehmer erkennbar. Autofahrer sollten in den Bereichen ihre Geschwindigkeit freiwillig reduzieren, um Helfer und Amphibien zu schützen.

Die Untere Naturschutzbehörde dankt an dieser Stelle allen fleißigen Helfern für ihren zumeist bereits jahrzehntelangen ehrenamtlichen Einsatz. Durch eine im letzten Jahr überraschend große Resonanz durch hilfsbereite Bürger auf einen Unterstützungsaufruf konnte und kann die Betreuung der beiden Abschnitte bei Wilhelmsthal und Attchenbach erfreulicher Weise weiterhin abgesichert werden.

Aber auch in anderen Bereichen werden immer wieder Helfer gesucht, die sich bei Interesse gern an die Untere Naturschutzbehörde wenden können: Tel. 03695 / 61-6701, e-mail: umwelt@wartburgkreis.de.

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