Werbung

Heißer Kaffee statt 30 € Strafe

Noch bis Freitag werden Gurtmuffel in Lkw und Bussen zu einem Kaffee ins Zelt gebeten. Die Polizeidirektion Gotha und der Deutsche Verkehrssicherheitsrat starteten eine Initiative zum Anlegen der Sicherheitsgurte im Lastwagen. Eine Statistik belege, dass 85 Prozent der Trucker in ihren Fahrzeugen nicht angeschnallt seien. Seit 1992 ist dies schon Pflicht. Bei Unfällen sind sie so stark gefährdet.
Von einer Brücke beobachteten Polizeibeamte die Lkw und Streifenwagen lotsten die Sünder mit «Bitte Folgen» auf den Rastplatz. 30 Euro wären fällig, doch die Polizei, hier die Verkehrspolizeiinspektion Gotha, setzt auf Prävention und das Gespräch. Die Sünder werden zu einer Tasse Kaffee eingeladen, müssen sich ein vierminütiges Video ansehen und können anschließend die Wirkungsweise eines Sicherheitsgurtes im Lkw testen. Mit nur 10 km/h rollte der Sitz im Gurtschlitten, auf ein Hindernis zu. Das 1,7-fache Körpergewicht drückt die Trucker mächtig in den Gurt. Viele schätzten eine höhere Geschwindigkeit ein. Deutlich wurde, welche Kräfte schon bei geringen Geschwindigkeiten wirken. Auch das Video macht dies sichtbar, viele Unfallszenen sollten aufrütteln, zum Nachdenken anregen.
Mit einem erhobenen Zeigefinger wurden die Trucker danach, ohne Strafe, wieder auf die A 4 geschickt.
Stark waren die Ausreden der Fahrer: «die Bewegungsfreiheit wird zu stark eingeschränkt», «die Gurte sind unbequem», «habe das Anschnallen vergessen» oder «habe den Gurt gerade abgemacht», waren die häufigsten Antworten.
Rund 100 Fahrer wurden durch die Polizisten jeweils gestern und heute gestoppt, dies lies sich schnell anhand der Kaffeeausgabe berechnen. Die meisten waren einsichtig, wussten sofort was sie falsch gemacht haben und gelobten Besserung.
«Die meisten von ihnen fahren die ersten Kilometer nun mit Gurt und dann wird er wieder abgemacht», schätzen die Beamten ein. «Fahren sie aber nach Frankreich, dann beachten sie alle Gesetzlichkeiten, auch die Gurtpflicht».
Auf dem Parkplatz des LOMO-Rasthofes Eisenach waren Mitarbeiter des Berufsbildungs-Zentrums Nordhausen gemeinsam mit den Polizisten im Einsatz.
In ganz Deutschland wird diese Aktion über zwei Jahre durchgeführt.
Die PD Gotha plant ab nächstem Jahr verschiedene Aktivitäten mit den Truckern. So werde es bald einen Truckerstammtisch auf dem Rasthof geben, Kontrollen sind geplant. Man will mit den Lkw-Fahrern offen ins Gespräch kommen, wissend um ihre Probleme. Dabei sollen auch die Politiker mit einbezogen werden.

Werbung
Werbung
Top