Geplantes Rechenzentrum – Unvereinbarkeit der Planungen mit nachhaltiger Stadt- und Infrastrukturentwicklung

Bildquelle: Werbeagentur Frank Bode GmbH
Die AG Energie- und Verkehrswende sowie der Regionalverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wartburgkreis/Stadt Eisenach sehen den geplanten Bau eines Rechenzentrums zwischen
Stockhausen und Hötzelsroda auch nach der Info-Veranstaltung in Neukirchen äußerst kritisch, da die
absehbaren Belastungen den möglichen Nutzen deutlich übersteigen.
Hintergrund
Der Projektentwickler FAB plant, ein rund 85 Hektar großes Areal sowie angrenzende Flächen für ein
Hyperscaler‐Rechenzentrum zu nutzen. Wer diese Anlage errichten, betreiben oder verwenden soll,
ist laut FAB unklar. In der Praxis handelt es sich bei solchen Projekten derzeit fast ausschließlich um
international agierende US‐Konzerne.
Immissionen und Emissionen (Hitze, Lärm, Dimensionen)
Das Vorhaben würde eine erhebliche Hitze- und Lärmbelastung für die umliegenden Orte mit sich
bringen. Der geplante Stromanschlusswert von mindestens 300 MW erzeugt enorme
Abwärmemengen. Vergleichbare Projekte – wie das in Lübbenau mit 200 MW – könnten
zehntausende Haushalte mit Wärme versorgen. Für Stockhausen und Hötzelsroda ist bislang völlig
offen, wie diese Abwärme genutzt oder abgeführt werden könnte. Ohne tragfähige Lösungen droht eine dauerhafte thermische Belastung oder es wären immense Investitionen in Fernwärme-
Infrastruktur erforderlich.
Auch der zu erwartende Lärmpegel des Rechenzentrums ist erheblich. Hinzu kommen regelmäßige
Testläufe von Notstromaggregaten.
Die geplanten Gebäudehöhen von 22,5 Metern, ergänzt durch technische Anlagen bis zu 35 Metern,
entsprechen einem Hochhaus mit 10 bis 12 Stockwerken und würden das Landschaftsbild massiv
verändern.
Weitere Belastungen
Fragen zur Wasser- und Abwasserversorgung sind ungeklärt. Zudem wären der Ausbau des
Umspannwerks sowie der 380‐kV‐Leitung erforderlich. Für die ohnehin stark belasteten Ortsteile
Hötzelsroda und Stockhausen bedeutete dies zusätzliche Eingriffe in Infrastruktur und Lebensqualität.
Digitale Souveränität
Die jüngsten politischen Entwicklungen verdeutlichen, dass die Abhängigkeit von außereuropäischen
Akteuren im digitalen Bereich zunehmend problematisch wird. Rechenzentren dieser Größenordnung
zählen zur kritischen Infrastruktur. Eine Trägerschaft außerhalb des europäischen Rechts- und
Gestaltungsraums birgt strukturelle Risiken, selbst wenn formale Vorgaben eingehalten werden. In
einem geopolitisch angespannten Umfeld erscheint es wenig sinnvoll, zentrale digitale Infrastruktur in
die Hände von Unternehmen zu legen, die nicht europäischer Regulierung unterliegen.
Fehlende Vorteile für Eisenach
Rechenzentren benötigen große Flächen und enorme Energiemengen, schaffen jedoch nur wenige
Arbeitsplätze und tragen kaum zur lokalen Wertschöpfung bei. Die erwartbaren Steuererträge
insbesondere die Gewerbesteuer stehen in keinem Verhältnis zum Flächenverbrauch und zur
langfristigen Blockade eines städtebaulich bedeutenden Areals.
Alternative Entwicklungsmöglichkeiten
Bislang wurden weder alternative Nutzungskonzepte geprüft noch die Bürgerinnen und Bürger von
Hötzelsroda einbezogen. Das Areal besitzt jedoch großes Potenzial für eine nachhaltige
Stadtentwicklung – etwa für Wohnraum, gemischte Quartiere oder klimafreundliche Nutzungen. Eine
dauerhafte Bindung dieser Fläche durch ein großdimensioniertes Rechenzentrum würde diese
Chancen auf lange Sicht verbauen.
Fazit
Die Entscheidung über ein Rechenzentrum an diesem Standort ist eine strategische Weichenstellung
mit weitreichenden Folgen für Stadtentwicklung, Klimaschutz und digitale Resilienz. Aus Sicht von
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Wartburgkreis überwiegen die Risiken und Belastungen deutlich. Eine
Umsetzung der FAB‐Pläne würde Eisenach frühzeitig mit hohen Kosten und gebundenen
Verwaltungskapazitäten konfrontieren und zentrale Entwicklungsmöglichkeiten dauerhaft
einschränken.
